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Deutscher Afrika-Preis für simbabwische Aktivistin

Veröffentlicht 14. November 2025Zuletzt aktualisiert 26. November 2025

Namatai Kwekweza ist in Berlin mit dem Deutschen Afrika Preis ausgezeichnet worden. Die simbabwische Aktivistin wird für ihren "unerschrockenen Einsatz" für Rechtsstaatlichkeit in ihrem Heimatland geehrt.

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Deutschland Berlin 2025 | Preisverleihung des Deutschen Afrikapreises an Namatai Kwekweza
Am Mittwochabend nimmt Kwekweza den Deutschen Afrika-Preis in Berlin von Bundestagspräsidentin Julia Klöckner entgegenBild: Luisa von Richthofen/DW

Wie wird eine junge Frau zur Aktivistin? Für Namatai Kwekweza ist es gar nicht so leicht, da eine Grenze zu ziehen. "Ich hatte schon immer einen ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit, ich war sehr empfindsam für Ungleichbehandlung und Ungerechtigkeit, die ich beobachtete." So erinnert sich die 26-jährige Simbabwerin im DW-Interview.

Doch es waren auch ganz konkrete Erlebnisse, die sie prägen sollten. Eines war ganz persönlicher Natur: Kwekweza war Anfang 20, als ihre Mutter ihren Job verlor. "Da haben sich sehr mächtige Politiker und Richter zusammengetan, um ein Gesetz zu schaffen, wonach Menschen mit einer dreimonatigen Kündigungsfrist entlassen werden können, ohne entschädigt zu werden", sagt sie. "Es brachte mich darauf, mich mit der Beschaffenheit von Macht auseinanderzusetzen." 

Die Mächtigen zur Rechenschaft ziehen

Ihre Erkenntnis: Es gibt Menschen, die mit ihren Entscheidungen das Leben unzähliger anderer beeinflussen, ja aus der Bahn werfen können. Ohne die finanzielle Unterstützung der Mutter hatte Namatai keine Möglichkeit, zu studieren. Doch sie war nicht untätig, engagierte sich freiwillig in NGOs und Jugendorganisationen.

DW | The 77 Percent | 2025 | Namatai Kwekweza erhält Africa Prize
Mit 18 gründete sie eine Organisation für Nachwuchsförderung - heute ist Namatai Kwekweza (2. von links) aus dem öffentlichen Leben in Simbabwe nicht mehr wegzudenkenBild: DW

Etwa um die gleiche Zeit protestierten zahlreiche Menschen in Simbabwe gegen steigende Spritpreise. Die Demonstrationen wurden gewaltsam niedergeschlagen, es gab Berichte über Polizeigewalt, Folter, Entführungen. 

"Es hat mich zutiefst beunruhigt, diese Art von Machtdemonstration gegenüber Zivilisten und insbesondere jungen Menschen zu sehen", sagt Kwekweza rückblickend. "Ich habe mir damals gesagt, dass wir aktiv werden, Fragen stellen müssen, dass wir unser Bestes tun müssen, um von den Mächtigen Rechenschaft einzufordern."

Jury: "Kraftvolles Zeichen"

Am Mittwoch nahm Namatai Kwekweza in Berlin den renommierten Deutschen Afrika-Preis entgegen. Die junge Demokratieaktivistin werde für ihren mutigen Einsatz für Rechtsstaatlichkeit und Demokratie in ihrem Heimatland geehrt, hieß es in der Erklärung der Jury: Sie setze ein "kraftvolles Zeichen für Zuversicht und demokratische Erneuerung". Die DW ist Medienpartner des Preises, der alljährlich von der Deutschen Afrika Stiftung verliehen wird.

Am Abend der Preisverleihung, nur wenige Schritte vom Brandenburger Tor entfernt, hielt Bundestagspräsidentin Julia Klöckner die Festrede auf die Aktivistin: "Sie, liebe Namatai, nehmen den Platz ein, der Ihnen zusteht, auch wenn die Regierung keinen für Sie vorsieht", sagte Klöckner. Politik und Gesellschaft bräuchten Frauen wie Kwekweza, fügte Klöckner hinzu - und zwar weit über Simbabwe hinaus. Nun bleibe zu hoffen, dass dieser Preis und seine Botschaft bis in Kwekwezas Heimatland ausstrahlen. Nicht anwesend war an dem Abend die Botschaft Simbabwes. "Aber ich glaube schon, dass sie das sicherlich mitbekommen hat", so Klöckner.

Bereits mit 18 Jahren gründete Namatai Kwekweza die Organisation WELEAD Trust, die junge Führungspersönlichkeiten ausbildet und sich dafür einsetzt, diese in politische Entscheidungsprozesse einzubinden.

In dem zunehmend repressiven Klima in ihrem Heimatland Simbabwe kämpft sie für Rechtsstaatlichkeit und politische Teilhabe. Dafür setzt sie viel aufs Spiel: Mehrfach wurde sie verhaftet, berichtete von Folter und Einschüchterungsversuchen. Jede Errungenschaft habe ihren Preis, sagt Kwekweza dazu.

"Wir müssen uns für unser Leben entscheiden", so Kwekweza. "Wenn man entführt wird, weil man für die Wahrheit eintritt, wenn man ins Gefängnis kommt, weil man für die Wahrheit eintritt, ist das hart. Aber wenn du morgens aufwachst und dein Leben unter einer Glocke lebst, beschränkt in deinen Möglichkeiten und Chancen, ist das auch hart."

Repräsentantin einer neuen Generation

Den Deutschen Afrika-Preis zu erhalten, sei eine große Überraschung für sie gewesen, sagte die junge Aktivistin der DW. "Nachdem ich Gelegenheit hatte, die bisherigen Empfänger des Preises durchzugehen, bin ich voller Ehrfurcht, jetzt zu dieser Liste von Personen zu gehören."

Bei der Preisverleihung fand Kwekweza eine Antwort auf Bundestagspräsidentin Klöckner, die ihre Hoffnung äußerte, derartige internationale Aufmerksamkeit könne Menschenrechtler weltweit schützen - und lenkte den Fokus auf die "Generation Z", zu der sie selbst gehört:

"Ich halte mich für privilegiert, weil ich all diese schicken Orte besuchen kann - viele meiner Gleichaltrigen können das nicht. Meine Mutter wiederum hält es für ein Privileg, dass ich nach der Arbeit unversehrt nach Hause komme und nicht im Sarg. Dieser Preis geht deshalb auch an all die jungen Menschen, die sich der Macht entgegenstellen und dafür einen hohen Preis zahlen."

Simbabwe Harare 2025 | Namatai Kwekweza Frauenrechtlerin und Jugendaktivistin
Namatai Kwekweza spricht für ihre Generation Z, bezieht aber auch die Älteren mit ein: Sie sollten "an die Jüngeren glauben, selbst bevor sie sich bewiesen haben"Bild: Privilege Musvanhiri/DW

Es ist ein Paradigmenwechsel, der auch für die Entscheidung der Jury eine Rolle gespielt hat, begründete der Jury-Vorsitzende Claus Stäcker, Director Programs for Africa bei der DW: "Überall auf dem Kontinent engagieren sich junge Menschen für Mitsprache, Transparenz und gesellschaftlichen Wandel - wie die Protestbewegungen der 'Generation Z' in Kenia, Madagaskar, Tansania oder Kamerun eindrucksvoll zeigen". Für die Jury stehe Namatai Kwekweza exemplarisch nicht nur für Protest, sondern für eine "neue Generation von Demokratinnen und Demokraten, die mutig Verantwortung übernehmen und die Zukunft ihrer Länder mitgestalten."

Der Preis gilt als höchste deutsche Anerkennung für verdiente Afrikanerinnen und Afrikaner. Verliehen wird er von der Deutschen Afrika Stiftung - einer überparteilichen Stiftung, die sich für die Vermittlung eines differenzierten Afrikabildes im politischen Raum und der deutschen Öffentlichkeit einsetzt. Seit 1993 ehrt sie Persönlichkeiten, die sich in besonderer Weise für Demokratie, Frieden, Menschenrechte, nachhaltige Entwicklung, Forschung, Kunst und Kultur oder gesellschaftliche Belange auf dem Nachbarkontinent engagieren. Im vergangenen Jahr wurde die Bürgermeisterin der sierra-leonischen Hauptstadt Freetown, Yvonne Aki-Sawyerr, geehrt. Weitere Preisträger waren die Covid-Forscher Tulio de Oliveira und Sikhulile Moyo, der ehemalige botswanische Präsident Ketumile Masire oder die somalischen Aktivistinnen Waris Dirie und Ilwad Elman.

Jetzt also Namatai Kwekweza. Eine Frau, die nicht nur die Wut und den Veränderungswillen der Generation Z in sich trägt, sondern auch eine ganze Menge Optimismus. "Ich glaube an Afrika und die Zukunft unseres Kontinents, und ich denke, dass es eine schöne und strahlende Zukunft ist", sagt sie der DW. "Aber ich denke, dass die Zukunft keine Frage der Umstände oder des Zufalls ist. Sie ist etwas, das wir aktiv für uns selbst gestalten müssen."

Dies ist die aktualisierte Fassung eines Artikels, der zuerst am 14.11.2025 erschien.

Mitarbeit: Privilege Musvanhiri (Harare), Luisa von Richthofen (Berlin)

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