Somalia: Aufbruch in Mogadischu
Nach Jahrzehnten des Krieges erlebt die somalische Hauptstadt einen bemerkenswerten Bauboom. Trotz Armut und Kriegsspuren wächst die Hoffnung auf einen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Neubeginn.

Bauboom in Mogadischu
Mogadischu, die Hauptstadt Somalias, erlebt einen bemerkenswerten Bauboom. Nach Jahrzehnten des Bürgerkriegs wächst die Hoffnung auf einen wirtschaftlichen Aufschwung in der Millionenmetropole. Im Stadtzentrum entsteht ein mehrstöckiges Gebäude mit großen Glasfassaden. Dies sei etwas komplett neues, erklärt ein Anwohner: "Die Bauherren haben keine Angst mehr, dass die Scheiben bersten könnten".
Tausende Neubauten
An den Straßen Mogadischus stapeln sich die Baustoffe. Der Bausektor ist weitgehend unreguliert, genaue Zahlen liegen kaum vor. Der Bürgermeister der somalischen Hauptstadt schätzte im Juni gegenüber Medienvertretern, dass in den vergangenen fünf Jahren etwa 6000 neue Gebäude in der von Jahrzehnten des Krieges betroffenen Stadt errichtet wurden.
Leben in Armut
Auf einem Fischmarkt direkt am Strand der Millionenmetropole verkaufen lokale Fischer ihren frischen Fang. 70 Prozent der Bevölkerung Somalias leben nach Angaben der Vereinten Nationen in tiefer Armut. Seit den 1990er-Jahren erlebte das Land einen Bürgerkrieg, in dem später auch zunehmend islamistische Milizen mitmischten und der noch immer große Teile des Landes bedroht.
Mehr Sicherheit...
Wesentlich für die wieder deutlich optimistischere Stimmung ist die verbesserte Sicherheitslage innerhalb der Stadt. An Checkpoints durchsuchen Sicherheitskräfte jedes Auto, jeden Lastwagen und jedes Tuk-Tuk. Aus Sorge vor versteckten Sprengkörpern dürfen Fahrzeuge, die länger als 20 Tage außerhalb Mogadischus waren, nicht wieder in die Stadt.
...und weniger Korruption
Das neue System hat die Zahl der terroristischen Anschläge innerhalb der Stadt seit 2023 um 86 Prozent reduziert. Früher verlangten Soldaten an jedem Kontrollpunkt Geld und "schlugen dich mit dem Gewehrlauf", berichtet ein 38-jähriger Taxifahrer. Heute gibt es eine Meldestelle für Betroffene von Polizeigewalt und Korruption, das Sicherheitspersonal arbeitet seither deutlich professioneller.
"Ein schnell wachsender Markt"
Ein mehrstöckiger Neubau entsteht im Stadtteil Hamer Weyne nahe der Küste. Große Teile des Geldes kommen aus dem Ausland: Überweisungen von ausgewanderten Somalis machten im Jahr 2024 knapp 30 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus. Das Kapital fließt in den Finanzsektor, Handel und die Infrastruktur - "ein schnell wachsender Markt", so Mohamed Gheedi von der Premier Bank in Somalia.
Instabile Sicherheitslage in Somalia
Trotz aller Bemühungen entkamen im August 2025 bei einem Anschlag auf eine Haftanstalt in Mogadischu zahlreiche Insassen. Somalias Sicherheitslage bleibt außerhalb der Stadtgrenzen äußerst angespannt. Al-Shabaab, eine islamistische Terrorgruppe, nahm im Laufe des Jahres bis zu 200 Dörfer und Ortschaften in der Umgebung der Hauptstadt ein.
"Wer zahlt den Preis?"
Während Wohlhabende von mehr Sicherheit und wirtschaftlichem Aufschwung profitieren, ist Gentrifizierung ein Problem für die ärmeren Teile der Stadt. Es kommt zu teils gewaltsamen Zwangsräumungen; Menschen verlieren den Zugang zu Schulen und Kliniken, kritisiert Mahad Wasuge von der Denkfabrik Somali Public Agenda. Mit Blick auf die Stadtentwicklung fragt er: "Wer wird den Preis dafür zahlen?"