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KriminalitätDeutschland

Gewalttat in Norddeutschland: Tödliche Schüsse in Stade

Veröffentlicht 29. Juni 2026Zuletzt aktualisiert 29. Juni 2026

Stade ist bekannt für seinen historischen Hafen und die hübsche Alstadt. Nun sorgt dort vor den Toren Hamburgs ein Gewaltverbrechen für Schlagzeilen, bei dem sechs Menschen sterben.

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Deutschland Stade 2026 | Ein Polizeiwagen versperrt eine Straße mit Kopfsteinpflaster, ein Polizist und eine Polizistin stehen dahinter (29.06.2026)
Abgesperrter Tatort in StadeBild: Marcus Golejewski/dpa/picture alliance

Laute Schreie dringen mittags aus einer Jugendhilfeeinrichtung in Stade. "Ich hab' Schüsse gehört", erzählt Zeuge Vitali Martens dem "Stader Tageblatt", der zu dem Zeitpunkt gerade vom Einkaufen kommt. Dann sieht er überall Polizisten.

Wenig später dann die traurige Erkenntnis in der Stadt an der Elbe im Norden des Bundeslandes Niedersachsen: Fünf Erwachsene sind tot, laut Polizei vier Frauen und ein Mann. Vier Personen waren bereits tot, als die Einsatzkräfte in der Einrichtung eintrafen. Ein weiteres Opfer versuchten Helfer zu reanimieren - jedoch ohne Erfolg. Eine einstellige Zahl an Menschen sei verletzt, einige schwer. Eine schwerverletze Person stirbt am Nachmittag im Krankenhaus.

Dabei sind die Waffengesetze in Deutschland streng. Schießereien sind selten, kommen aber dennoch vor.

Der genaue Hergang der Bluttat in den Räumen der Einrichtung mit Mutter-Kind-Wohngruppen westlich von Hamburg ist noch unklar.  

Ein Zeuge schilderte dem Portal "Focus Online", was sich kurze Zeit später auf der Straße ereignet haben soll: Eine Frau und ein junger Mann hätten versucht, vom Tatort wegzufahren.

Ein Polizist habe gebrüllt: "Anhalten, stehen bleiben", berichtet der Zeuge. Das Auto sei weitergefahren. Mehrere Polizisten sollen das Feuer eröffnet haben. Mindestens zehn, fünfzehn Schüsse seien gefallen, schätzt der Zeuge.

Polizei: Zwei Verdächtige festgenommen

Die Ermittler sind nach eigenen Angaben schnell vor Ort gewesen, eine Polizeiwache ist gleich in der Nähe. So konnten sie zwei Verdächtige festnehmen, darunter sei auch der mutmaßliche Schütze. Welche Rolle die zweite Person gespielt haben könnte - dazu sagt die Polizei bislang nichts.

Deutschland Stade 2026 | Zwei Polizisten in weißen Overalls bei der Spurensicherung (29.06.2026)
Spurensicherung in der DankersstraßeBild: Ibrahim Ot/AFP

Hintergrund der Tat sei vermutlich ein Sorgerechtsstreit gewesen, sagte die Lüneburger Polizeipräsidentin Kathrin Schuol am Abend auf einer Pressekonferenz. Beim Verdächtigen handelt es sich demnach um einen in Deutschland geborenen, 45-jährigen Mann mit türkischen Wurzeln aus dem Raum Hannover. 

Der mutmaßliche Täter hatte den Angaben nach in der Einrichtung einen Termin bezüglich des Sorgerechts für seine drei Monate alte Tochter - zu dem auch viele seiner Opfer geladen waren. Das Kind und die Mutter sind allerdings nicht unter den insgesamt sechs Toten.

Gegen den Mann lägen polizeiliche Erkenntnisse vor, unter anderem aus dem Bereich der Bedrohung, führte Schuol am Abend aus. Sie betonte aber, er habe bislang nicht als "absolut gewalttätig" im polizeilichen System gegolten.

Stadtrat: "Tiefes Mitgefühl den Opfern"

Polizei und Rettungskräfte waren nachmittags mit einem Großaufgebot in der Dankersstraße gut anderthalb Kilometer außerhalb der bei Touristen beliebten Altstadt vor Ort. Anwohner und Passanten wurden aufgerufen, den betroffenen Bereich zu verlassen und weiträumig zu meiden.

Als die Schüsse fielen, war auch in der Stadtverwaltung der Schrecken groß. Eine Kindertagesstätte und eine Grundschule liegen nicht weit von dem Tatort entfernt, so schilderte es ein Sprecher der Stader Verwaltung. Als die Nachricht von den Schüssen kam, habe die Stadt sofort Kontakt zu den beiden städtischen Einrichtungen aufgenommen. Die Kinder und die Mitarbeiter seien aber nicht in Gefahr gewesen.

Stadtrat Carsten Brokelmann zeigte sich erschüttert: "Gleichzeitig gilt unser tiefes Mitgefühl den Opfern dieser schrecklichen Tat sowie deren Hinterbliebenen." Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies äußerte sich ebenfalls: "Die Vorkommnisse in Stade sind erschütternd und machen die gesamte Landesregierung tief betroffen", hieß es weiter. Er bitte alle darum, "jetzt keine voreiligen Schlüsse zu ziehen und den Ermittlungen den nötigen Raum zu geben", sagte Lies.

Notfallseelsorger unterstützen Angehörige

Stade hat knapp 48.700 Einwohner und gehört zur Metropolregion Hamburg. Die kleine Hansestadt ist auch als westliches Tor zum Alten Land bekannt, dem größten zusammenhängenden Obstanbaugebiet Deutschlands. Stade liegt rund 40 Kilometer von Hamburg entfernt, ist per S-Bahn an die Millionenmetropole angebunden.

Deutschland Stade 2025 | Historische Fachwerkhäuser am alten Hafenbecken, in dem ein Segelschiff vertäut ist (11.08.2025)
Touristenziel Stader HafenBild: xim.gs/picture alliance

Fake News in den Sozialen Medien

Polizei und Stadt riefen die Menschen auf, keine ungeprüften Nachrichten mit Gerüchten zu verbreiten. Es kursierten bereits "Fehlinformationen".

AR/ie (dpa, afp, ap, NDR)