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Statistik: Mehr Syrer verlassen Deutschland, weniger kommen

7. November 2025

Derzeit tobt in Deutschland die politische Debatte um die Rückführung von Syrerinnen und Syrern in ihre Heimat. Neue Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen nun: Die Diskussion könnte sich von selbst erledigen.

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Syrische Flüchtlinge auf dem Weg ins Grenzdurchgangslager Friedland (04.04.2016)
Syrische Geflüchtete kommen 2016 in einem Grenzdurchgangslager in Deutschland anBild: Swen Pförtner/dpa/picture alliance

Seit dem Sturz des Assad-Regimes in Syrien im Dezember 2024 ist der Zuzug syrischer Staatsangehöriger nach Deutschland deutlich zurückgegangen. Von Januar bis September 2025 registrierten die Meldebehörden rund 40.000 Zuzüge, rund 46,5 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum (74.600).

Exil-Syrer feiern den Sturz des Assad-Regimes (08.12.202)
Im Dezember 2024 feierten Exil-Syrer den Sturz des Assad-Regimes in Syrien, wie hier in MainzBild: Andreas Arnold/dpa/picture alliance

Gleichzeitig kehrten deutlich mehr Syrerinnen und Syrer in ihre Heimat zurück: Die Zahl der Fortzüge stieg um 35,3 Prozent auf 21.800, nach 16.100 im gleichen Zeitraum 2024. Die Nettozuwanderung, also die Zuzüge abzüglich der Fortzüge, fiel damit stark - von 58.500 auf 18.100 Personen.

Auch die Zahl der Asylanträge ging massiv zurück. Bis Ende September 2025 stellten Syrerinnen und Syrer rund 19.200 Anträge, ein Rückgang um 67 Prozent im Vergleich zum Vorjahr (58.400). Dennoch blieben sie die größte Gruppe unter den Asylsuchenden in Deutschland.

Im Schnitt 26 Jahre alt und männlich

Ein ähnliches Bild zeigt sich auf EU-Ebene: Bis Ende Juli 2025 wurden rund 26.200 Asylanträge von Syrerinnen und Syrern gestellt - 69 Prozent weniger als im Vorjahr. Syrien lag damit nur noch an dritter Stelle (7 Prozent) unter den Herkunftsländern von Asylsuchenden - hinter Venezuela (14 Prozent) und Afghanistan (9 Prozent). 61 Prozent aller syrischen Asylanträge in der Europäischen Union wurden in Deutschland eingereicht.

Mehr als die Hälfte der Syrerinnen und Syrer in Deutschland lebt allerdings schon seit vielen Jahren in der Bundesrepublik: 48 Prozent kamen vor oder bis 2016, 12 Prozent wurden hier geboren. Ende 2024 verfügten 90 Prozent der syrischen Schutzsuchenden über einen anerkannten Schutzstatus.

Insgesamt lebten laut Mikrozensus 2024 rund 1,22 Millionen Menschen mit syrischer Einwanderungsgeschichte in Deutschland. Das Durchschnittsalter beträgt 26,6 Jahre, 57 Prozent sind männlich. 46 Prozent der Erwerbsfähigen waren berufstätig, 17 Prozent befanden sich in Schule oder Ausbildung.

Merz: Kein Grund mehr für Asyl in Deutschland

Politisch sorgt die Entwicklung für Diskussionen: Bundesaußenminister Johann Wadephul zeigte sich vergangene Woche bei einem Besuch in Syriens Hauptstadt Damaskus erschüttert über die Lage und sprach von einer "apokalyptischen Situation".

Wadephul dämpfte deshalb die Erwartungen an rasche, umfangreiche Rückführungen von syrischen Geflüchteten in ihr Heimatland. "Kurzfristig können sie nicht zurückkehren", sagte der Minister nach einem Besuch in Harasta, einer schwer verwüsteten Vorstadt von Damaskus. "Hier können wirklich kaum Menschen richtig würdig leben."

Johannes Wadephul mit Entourage vor zerstörten Hochhäusern (30.10.2025)
Bundesaußenminister Wadephul beim Besuch im zerstörten Harasta (Ende Oktober)Bild: Marcus Brandt/dpa/picture alliance

Bundeskanzler Friedrich Merz betonte dagegen, die Bundesregierung strebe weiterhin Rückführungen nach Syrien an. Der Bürgerkrieg sei beendet, daher gebe es "keinen Grund mehr für Asyl in Deutschland", sagte Merz.

pgr/AR (dpa, epd, afp, kna, rtr)