Kremlchef Putin räumt "Probleme" im Krieg ein
29. Juni 2026
"Was Angriffe auf die kritische Infrastruktur im Allgemeinen und die Energieinfrastruktur im Besonderen betrifft, so verursachen die (ukrainischen) Angriffe auf unsere Infrastruktur-Einrichtungen natürlich Probleme, das ist offensichtlich", sagte Russlands Präsident Wladimir Putin in einem Interview mit Pawel Sarubin, einem Journalisten des Staatsfernsehens. "Im Moment beobachten wir einen gewissen Mangel, aber er ist nicht kritisch", fügte der Kremlchef hinzu. Russland habe die Lage im Griff.
Die Hauptaufgabe bestehe jetzt darin, die russischen Flugabwehrkapazitäten zu erhöhen und die Treibstoffversorgung sicherzustellen - insbesondere für die Krim, so Putin im Gespräch mit Sarubin weiter. Auf das Interview beriefen sich russische Nachrichtenagenturen, die vollständige Fassung wurde auf dem Telegram-Kanal des Journalisten veröffentlicht.
Wenige Stunden vor dem Interview hatte Putin eine Rede auf einem Kongress seiner Partei Geeintes Russland gehalten und dort ebenfalls von "Problemen" gesprochen, derer sich die Führung in Moskau bewusst sei. "Wir werden ohne Zweifel alle Herausforderungen bewältigen, mit denen wir heute konfrontiert sind, einschließlich terroristischer Angriffe auf unser Territorium und auf Infrastruktur-Einrichtungen", führte er weiter aus.
Russische Öl- und Energieinfrastruktur im Visier
In dem seit mehr als vier Jahre andauernden Krieg mit der Ukraine überzieht Russland das Nachbarland nahezu täglich mit Luftangriffen. Zuletzt hatte die ukrainische Armee ihrerseits aber die Luftangriffe auf Ziele innerhalb Russlands und auf der annektierten Krim ausgeweitet. Ins Visier nimmt die ukrainische Armee neben militärischen Einrichtungen vor allem die russische Öl- und Energieinfrastruktur.
In den russisch besetzten Teilen der Südukraine kam es zu Stromausfällen. "Alle Kreise des Gebiets Cherson sind ganz oder teilweise ohne Strom", schrieb der Chef der dortigen russischen Besatzungsverwaltung, Wladimir Saldo, bei Telegram. Auch der von Russland für das Gebiet Saporischschja eingesetzte Gouverneur Jewgeni Balizki berichtete am Montag von Notabschaltungen und Schäden an Energieanlagen nach ukrainischen Angriffen.
Putin glaubt weiter an Sieg im Ukraine-Krieg
Die russische Armee werde weiterhin alles unternehmen, um die Ziele der "Spezialoperation", wie der Angriffskrieg gegen die Ukraine in Moskau offiziell genannt wird, umzusetzen, betonte Putin im Interview des TV-Journalisten. Sein Land wolle die vier Regionen Donezk, Luhansk, Cherson und Saporischschja vollständig einnehmen, bekräftigte der Staatschef, der sich siegessicher zeigte.
Putin begründete seinen Optimismus unter anderem mit einem "katastrophalen Personalmangel" der ukrainischen Streitkräfte. Er behauptete, dass der russischen Armee der Vorschlag unterbreitet worden sei, die Kampfhandlungen auf die Ostukraine zu beschränken. Dies würde der Ukraine die Möglichkeit geben, Truppen aus anderen Gebieten in diese Regionen zu verlegen, meinte Putin. "Aber die Rettung des Kyjiwer Regimes ist nicht Teil unserer Pläne."
Wadephul: "Kollektive Abschreckung wirkt"
Der deutsche Außenminister Johann Wadephul beschwörte mit Blick auf den Ukraine-Krieg abermals die transatlantische Partnerschaft. "Unsere euro-atlantische Sicherheit hängt entschieden davon ab, dass wir auch in Zukunft so entschlossen wie bisher in der NATO zusammenstehen", erklärte Wadephul zum Auftakt einer Reise in die USA. Putin wage aus gutem Grund nicht, ein NATO-Mitglied anzugreifen. "Unsere kollektive Abschreckung wirkt."
In Washington will Wadephul mit seinem US-Kollegen Marco Rubio darüber beraten, wie beim NATO-Gipfel kommende Woche in Ankara eine stabile, langfristige Unterstützung der Ukraine sichergestellt werden kann kann. Wegen des Iran-Kriegs sind die Bemühungen der Vereinigten Staaten um Vermittlung zwischen Russland und der Ukraine ins Stocken geraten.
wa/haz (afp, dpa, rtr)