Vier Jahre Ukraine-Krieg: Widerstandswille und Solidarität
24. Februar 2026
Seit genau vier Jahren wehrt sich die Ukraine gegen Angriffe der russischen Armee. Hunderttausende Menschen sind seitdem getötet worden, Millionen Ukrainerinnen und Ukrainer sind geflohen. Trotzdem zeigt sich das Land weiter widerstandsbereit.
"Wir haben die Ukraine bewahrt und werden alles tun, um Frieden zu erreichen - und um sicherzustellen, dass Gerechtigkeit herrscht", sagte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj in einer Fernsehansprache anlässlich des vierten Jahrestages von Russlands Angriffskrieg an diesem Dienstag.
Die Ukraine habe ihre Unabhängigkeit verteidigt und existiere nicht nur auf der Landkarte. Der russische Präsident Wladimir Putin habe seine Ziele nicht erreicht, sagte Selenskyj: "Er hat das ukrainische Volk nicht gebrochen. Er hat diesen Krieg nicht gewonnen."
Auf die laufenden Friedensgespräche bezogen, betonte der ukrainische Präsident: "Fraglos wollen wir alle, dass dieser Krieg endet, doch niemand lässt zu, dass die Ukraine zu existieren aufhört." Es werde alles dafür getan, damit die Kriegsjahre nicht umsonst waren. "All der Kampf, der Mut, die Würde, alles, was die Ukraine durchgemacht hat, darf nicht entwertet werden", sagte Selenskyj.
Europäische Gäste bei Gedenken in Kyjiw
Der russische Angriff auf die Ukraine gilt als das größte Blutvergießen in Europa seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs und erschüttert die Sicherheit des gesamten Kontinents. Auch wenn einzelne Mitgliedstaaten immer wieder ausscheren, zeigt sich der Großteil der Europäischen Union seit vier Jahren solidarisch mit der Ukraine.
Und so sind hochrangige Vertreter der EU und mehrere Staats- und Regierungschefs nordeuropäischer Länder und der baltischen Staaten auch an diesem Dienstag in Kyjiw zu Gast. In der ukrainischen Hauptstadt findet die zentrale Gedenkzeremonie des Landes statt.
Mit dabei sind auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Ratspräsident António Costa, die am frühen Morgen mit dem Nachtzug in Kyjiw eintrafen. Von der Leyen sagte bei der Ankunft, der Besuch solle zeigen, dass Europa auch durch diesen harten Winter hindurch finanziell und militärisch unerschütterlich zur Ukraine stehe.
Solidaritätsbekundungen in Kyjiw und aus Berlin
Schriftlich teilte sie auf ihrem Social-Media-Kanal mit, sie wolle "dem ukrainischen Volk wie dem Aggressor" eine "deutliche Botschaft" senden: "Wir werden nicht nachgeben, bis der Frieden wiederhergestellt ist. Frieden zu den Bedingungen der Ukraine." Es handelt sich bereits um von der Leyens zehnten Besuch in Kyjiw seit Kriegsbeginn.
António Costa machte deutlich: "Ich möchte dem Mut und der Entschlossenheit des ukrainischen Volkes Tribut zollen, das in diesen vier schrecklichen Jahren der großangelegten Invasion Russlands Widerstand geleistet hat, Russland in den Osten des Landes zurückgedrängt hat und weiterhin mit großem Mut die Frontlinie verteidigt."
Zugleich wolle er auch der Entschlossenheit der Ukraine Tribut zollen, auf dem Weg in die EU Fortschritte zu machen. "Es ist sehr beeindruckend, wie ein Land im Krieg es schafft, die Reformen umzusetzen, die nötig sind, um im Beitrittsprozess voranzukommen", sagte der EU-Ratspräsident.
Aus Deutschland meldete sich Bundeskanzler Friedrich Merz zu Wort und beschwor erneut den Zusammenhalt der Europäer. "Seit vier Jahren ist jeder Tag und jede Nacht für die Ukrainerinnen und Ukrainer ein Albtraum. Und nicht nur für sie, sondern für uns alle. Denn der Krieg ist zurück in Europa", ließ Merz verlauten. "Nur mit gemeinsamer Stärke werden wir ihn beenden. Denn das Schicksal der Ukraine ist unser Schicksal."
Russland greift weiter an
Auch an diesem Jahrestag des Kriegsbeginns ist die Ukraine weiter Ziel von Angriffen: Russland attackierte die südostukrainische Stadt Saporischschja mit Drohnen. Dabei wurden in der Nacht nach Behördenangaben fünf Menschen verletzt. Die ukrainische Katastrophenschutzbehörde (DSNS) meldete Angriffe auf "zahlreiche Einrichtungen" in der Stadt, unter den Verletzten sei ein Kind.
Eine Drohne sei in einer Fabrik eingeschlagen, die an ein neunstöckiges Wohngebäude angrenzt. Der dadurch ausgelöste Brand habe sich über 200 Quadratmeter ausgebreitet. Ein weiterer Angriff traf demnach unbebautes Gebiet in der Nähe von Wohnhäusern und beschädigte fünf Gebäude und mehrere Autos, die in einem Innenhof geparkt waren.
Saporischschja liegt unweit der südlichen Front im Ukraine-Krieg. Die russische Armee greift die Stadt nahezu täglich mit Drohnen oder Raketen an. Am Montag waren laut Behörden in Saporischschja und der Schwarzmeerhafenstadt Odessa drei Menschen bei russischen Angriffen getötet worden.
Russland war am 24. Februar 2022 in die Ukraine mit dem Ziel einmarschiert, die Führung in Kyjiw zu entmachten und weite Teile des Landes zu erobern. Nach vier Jahren Krieg hält die russische Armee rund 20 Prozent des ukrainischen Territoriums besetzt.
AR/se (afp, rtr, dpa)
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