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Unternehmen fürchten Cyberattacken und Inflation

Mischa Ehrhardt
17. Januar 2023

Cyberattacken ängstigen nach wie vor Managerinnen und Führungskräfte am meisten. Stark in den Vordergrund getreten sind nach den Erfahrungen der letzten Monate auch volkswirtschaftliche Sorgen wie die hohe Inflation.

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Symbolbild IT-Systeme
Bild: YAY Images/IMAGO

Nach wie vor sehen die von Europas größter Versicherung Allianz befragten Unternehmen das größte Risiko für ihre Geschäfte in Cyber-Angriffen. Und das nicht ohne Grund. Denn die dadurch anfallenden Kosten durch Betriebsausfälle sind immens, sie liegen nach Schätzungen bei einer Billion Dollar weltweit - das entspricht rund einem Prozent des weltweiten Bruttoinlandsproduktes.

Und nach Berechnungen der Allianz-Tochter AGCS sind die durchschnittlichen Kosten pro Unternehmen auf einen neuen Rekordwert geklettert. "Die Auswirkungen weltweit sind erheblich", sagt Shanil Williams. Er ist Vorstandsmitglied bei AGCS, der Unternehmens- und Industrieversicherungstochter der Allianz.

Datendiebstahl als größtes Problem

Datendiebstahl sei das größte Problem für die Unternehmen, dicht gefolgt von Erpressung durch eingeschleuste Schadsoftware - unlängst sorgte ein gigantischer Hackerangriff auf den Autozulieferer Continental für Schlagzeilen. Das geht aus dem heute vorgestellten Allianz Risiko-Barometer hervor. Dazu hat die AGCS bis Ende November über 2700 Sicherheitsfachleute und Manager aus Unternehmen aus 94 Ländern befragt.

Darunter waren knapp die Hälfte Führungskräfte großer Unternehmen mit mehr als 500 Millionen Dollar Jahresumsatz. Die AGCS verweist auf Schätzungen, nach denen die Durchschnittskosten für Unternehmen nach Datendiebstahl 2022 auf einen Rekord von 4,35 Millionen Dollar gestiegen sind. Für 2023 wird demnach ein weiterer Anstieg auf über fünf Millionen Dollar erwartet.

Vor allem kleine und mittelgroße Unternehmen zeigen sich besorgt wegen möglicher Cyberangriffe. "Wo größere Unternehmen bereits ausgereiftere Abwehrmechanismen entwickelt haben, sind kleinere dagegen anfälliger, die nicht in Prävention und Versicherungen investiert haben", sagte AGCS-Sprecher Hugo Kidston.

Neue Sorgen machen sich breit

Während sich - wie bei der vorangegangenen Umfrage vor einem Jahr - Cyberattacken als größtes Risiko Platz eins belegen, sind mit Pandemie und Ukraine-Krieg neue Sorgen in den Vordergrund getreten. Die Furcht vor generellen volkswirtschaftlichen Störungen ist von Platz zehn auf Platz drei vorgerückt - direkt hinter den durch Cyberangriffe bedingte Betriebsunterbrechungen. Die hohe Inflation ist dabei aktuell das größte Sorgenkind. Und dann prägen das Jahr 2022 natürlich vor allem Energiekrise und Sorgen um ausreichende und bezahlbare Energieversorgung.

Bezahlbare Energie - auch eine große Sorge von Unternehmen. Im Bild das neue LNG-Terminal in Lubmin an der Ostseeküste
Bezahlbare Energie - auch eine große Sorge von Unternehmen. Im Bild das neue LNG-Terminal in Lubmin an der OstseeküsteBild: Christian Morgenstern/dpa/picture alliance

"Für Unternehmen war das eine Rückkehr zum ökonomischen Einmaleins", erklärt Allianz-Chefvolkswirt Ludovic Subran. Kostenmanagement sei notgedrungen zum zentralen Werkzeug aufgestiegen, um etwa steigende Löhne, die allgemeine Inflation oder die hohen Energiepreise in den Griff zu bekommen. "Ich glaube, die Rückkehr solch banaler wirtschaftlicher Fragen in den Unternehmen lief bei vielen ziemlich chaotisch ab. Für uns ist es aber keine Überraschung, dass diese Sorgen die Bronze-Medaille geholt haben."

In Deutschland unterscheidet sich das Bild der Rangfolge etwas von den globalen Einschätzungen. Betriebsunterbrechungen liegen vor der Cyberkriminalität auf Platz eins. Sorgen um Energiepreise und -versorgung belegen Rang drei.

Erstmals in der Liste der größten zehn Unternehmensrisiken taucht der Fachkräftemangel auf Platz acht auf. In Deutschland sind Sorgen über Personalengpässe offenbar stärker verbreitet - hier belegen sie Platz sechs.

Und der Klimawandel?

Corona zählen die Unternehmen offenbar nicht mehr zu den großen Risiken: Die Pandemie rutschte aus den Top Ten heraus und verschwand in hinteren Rängen. Etwas an Dringlichkeit verloren schließlich haben bei Managerinnen und Unternehmenslenkern auch der Klimawandel und Naturkatastrophen. Der Klimawandel rutschte vom sechsten auf den sieben Rang, Naturkatastrophen landeten auf dem sechsten Platz, nach Platz drei im Vorjahr.

Ähnliche Ergebnisse förderte auch die tags zuvor in Davos veröffentlichte Studie der Unternehmensberatung PWC zutage. Demzufolge ist der Optimismus in den Chefetagen der Unternehmen weltweit stark eingebrochen. Mittlerweile rechnen fast dreiviertel aller Manager und Managerinnen mit einem Rückgang des Weltwirtschaftswachstums. Vor einem Jahr glaubten das nur 15 Prozent. In Deutschland ist der Pessimismus noch ausgeprägter: Hier rechnen der Umfrage zu Folge 82 Prozent mit einem weltwirtschaftlichen Einbruch.