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"Drill Baby Drill" gegen Chinas Elektrostaat

22. April 2026

Die Welt blickt auf die blockierte Straße von Hormus und die Folgen für die globalen Energiemärkte. Hinter den Kulissen tobt aber noch ein anderer Kampf: Der Wettlauf der USA und China um die globale Energiedominanz.

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Sonnenaufgang am 18. April 2026 über ankernden Tankern in der Straße von Hormus, vor der iranischen Insel Qeschm
Für wen geht am Ende die Sonne auf im globalen Energiewettlauf? Bild: Asghar Besharati/AP Photo/picture alliance

Ganz gleich wie der Krieg zwischen den USA und dem Iran ausgeht - die weltweiten Energiemärkte werden noch lange für die Rückkehr zur Normalität brauchen. Und viele Beobachter sind davon überzeugt, dass die explodierenden Spritpreise dem Siegeszug der erneuerbaren Energien einen entscheidenden Schub geben werden.

Denn im Hintergrund des aktuellen Kräftemessens am Persischen Golf pokern die beiden größten Volkswirtschaften der Welt, wie die globale Energie-Architektur der Zukunft aussehen wird - und wer sie dominiert. Die Akteure: die USA unter Donald Trump, der mit vollem Einsatz die Produktion von Öl und Gas hochfährt und China, das seit mehr als einem Jahrzehnt auf dem Weg vom weltweit größten CO2-Verursacher zum globalen Taktgeber der elektrischen Energierevolution ist.

Kohlekraftwerke und Solarfarm in der Provinz Shaanxi
Trotz Solarboom: Rund 60 Prozent des chinesischen Gesamtenergiebedarfs werden noch immer durch Kohle gedeckt Bild: Ng Han Guan/AP Photo/picture alliance

Die Amerikaner wollen das fossile Zeitalter möglichst lange am Leben erhalten, während die Chinesen ihre Strategie, die Welt mit Solarpanels, Batteriespeichern und E-Autos "Made in China" zu dominieren, Stück für Stück umsetzen.

Öl und Gas als Hebel für dominante US-Außen- und Wirtschaftspolitik

"In den USA ist es ganz klar die Energiedominanz-Agenda, die stark auf fossile Energiemärkte setzt, die versucht, den Energiereichtum der USA im fossilen Bereich außenpolitisch zu nutzen. Das geht soweit, dass versucht wird, andere ressourcenreiche Staaten wie Venezuela unter Kontrolle zu bringen, beziehungsweise deren Ressourcen, Produktion und Export zu steuern", sagt Energieexperte Andreas Goldthau im Interview mit der DW.

Screenshot der Webseite des Weißes Hauses vom 14. April 2026: Mehr als 100 leere Tanker auf dem Weg in die USA
Das Weiße Haus zelebriert die US-Energiedominanz: "Feinde nutzen Energie als Waffe, Amerika liefert sie" Bild: Screenshot whitehouse.gov

"Auf der anderen Seite haben wir China, das ganz stark auf Dekarbonisierung setzt, auf den Clean Tech-Bereich (erneuerbare Energien plus Atomenergie, d. Red.), auf eine Reduktion der Importe von Öl und Gas. Das ist nicht nur eine Frage von Klimapolitik. Im Gegenteil, es ist eine Frage von wirtschaftlicher Sicherheit", erklärt Goldthau, Direktor der Willy Brandt School of Public Policy an der Universität Erfurt. Die Chinesen hätten ganz klar erkannt, dass sie von anderen abhängig sind, um ihr Wirtschaftsmodell aufrechterhalten zu können und steuerten mit aller Kraft dagegen an. "Die Chinesen sind die größten Investoren in erneuerbare Energien und Clean Tech. Und sie sind mittlerweile führend in den Technologien, die wir benötigen, um die Energiewende zu meistern", so Goldthau.

Ganz gleich, ob es um smarte Energienetze geht, Solar- oder Windkraft - nichts geht mehr ohne chinesische Produkte und Komponenten bis hin zu Seltenen Erden. "Da haben sie stark aufgeholt, auch bei Elektrolyseuren (zur Produktion von grünem Wasserstoff, d. Red.) und Batteriespeichern. Die Liste ist lang. Und das machen Sie zum einen, um Resilienz herzustellen, aber gleichzeitig natürlich, um einen gewissen Autarkiegrad und Souveränitätsgrad zu erreichen", so Goldthau.

Schon heute werden nach Analysen der Internationalen Energieagentur (IEA) und der Berater von McKinsey zwischen 60 und 70 Prozent aller E-Autos weltweit in China gebaut. Und weil das Wirtschaftswachstum in der Volksrepublik schwächelt, entstehen enorme Überkapazitäten, die verstärkt nach Europa exportiert werden.

Erfolg des "Made in China 2025"-Programms

Auch bei grünen Schlüsseltechnologien hält Peking alle Trümpfe in der Hand. China kontrolliert heute etwa 80 Prozent der globalen Lieferkette für Photovoltaik. In einigen Teilbereichen (wie der Produktion von Silizium-Wafern) liegt der Anteil sogar bei über 95 Prozent. Laut dem Global EV Outlook der IEAhat China allein im ersten Halbjahr 2025 mehr Solarkapazität installiert als der Rest der Welt zusammen.

Auch der Anteil Chinas an der weltweiten Produktion von Windturbinen ist in den letzten Jahren massiv gestiegen. Nach Zahlen der World Wind Energy Association (WWEA) und den Daten von Bloomberg New Energy Finance (Bloomberg NEF) entfielen 2025 rund 72 Prozent des Weltmarktes für neue Windturbinen auf China. Acht der zehn weltweit führenden Hersteller sind mittlerweile chinesische Unternehmen, wie etwa Goldwind oder Envision.

Symbolbild Straße von Hormus | Karte unter Lupe in Shanghai
Trotz des Solar- und Windkraftbooms ist China noch immer abhängig von Öl und Gas aus Nahost Bild: CFOTO/picture alliance

Zwischen 2020 und 2025 haben sich die Exporte von grüner Technologie aus China mehr als vervierfacht und 2025 steuerte der Clean-Energy-Bereich nach Berechnungen des Energie-Think Tanks Ember mehr als ein Drittel zum gesamten BIP-Wachstum Chinas bei.

Fossile US-Energiedominanz gegen Chinas Elektrostaat

Auf der anderen Seite stehen die USA unter Donald Trump bei erneuerbaren Energien auf dem Bremspedal und geben mächtig Gas beim Ausbau fossiler Energien. "Drill, baby, drill", rief Trump seinen Anhängern schon im Wahlkampf zu. Und bohren, was das Zeug hält, ist auch das Credo von Trumps Energieminister Chris Wright, Gründer und Ex-Chef des zweitgrößten Fracking-Konzerns Nordamerikas, Liberty Energy.

"Es ist kein Geheimnis, dass die USA unter Trump eine Politik der "Energy Dominance" verfolgen. Diese Politik findet ganz öffentlich statt. Energieminister Chris Wright redet schon seit Jahren darüber. Und diese Dominanz soll dadurch hergestellt werden, dass die USA die einheimische Öl und Gasproduktion und den Export hochtreiben. Dazu will man die Kontrolle über ausländische Assets erlangen, wie zum Beispiel in Venezuela und was vielleicht im Iran noch passiert", sagt Henning Gloystein, Leiter der Abteilung Energie, Industrie und Rohstoffe im Londoner Büro des New Yorker Beratungsunternehmens Eurasia Group.

US-Fracking-Revolution macht USA zum Energieexporteur

In nur 20 Jahren wurden die Vereinigten Staaten vom weltweit größten Importeur von Öl und Gas zum größten globalen Gas-Exporteur und zu einem der dominanten Öl-Exporteure, rechnet Energieminister Wright vor. Möglich wurde das durch die "Shale Revolution", den Fracking-Boom in den USA, der die Fördermengen von Erdgas und Öl massiv in die Höhe getrieben hat.

"Heute produzieren die Vereinigten Staaten mehr Öl als Saudi-Arabien und Russland zusammen und mehr Erdgas als Russland, Iran und China zusammen - und sichern sich damit ihre Rolle als unangefochtener globaler Energieführer", gibt sich das Weiße Haus auf seiner Webseite selbstbewusst.    

Niedrigere Zölle beim Kauf fossiler US-Energie

Ist damit Öl für Trump primär ein geopolitischer Machtfaktor, den es zu besitzen und zu steuern gilt? "Absolut", sagt Eurasia Group-Experte Gloystein im Interview mit der DW. Das sehe man an der Art, wie die USA mit ihren Handelspartnern verhandeln. "Letztes Jahr haben die USA gesagt: Im Gegenzug für relativ niedrige Zölle muss Europa mehr amerikanisches Öl und Gas kaufen." Das gleiche Spiel betreibe die US-Regierung auch mit anderen Handelspartnern wie Japan, Thailand oder Indien. Dabei setzen die USA auf möglichst lange Lieferverträge.

"Wenn ein deutsches Unternehmen in den USA nach Flüssiggas, also nach LNG fragt, dann sagt der neue Versorger: OK, dann können wir ab 2028 zwei bis drei Millionen Tonnen pro Jahr an Flüssiggas an Deutschland liefern und das ist dann ein Zwanzigjahresvertrag. Und so hat man Gas noch einmal 20 Jahre in Deutschland in die Systeme eingebaut. Das machen die Amerikaner sehr aktiv", erklärt Gloystein die US-Energiepolitik unter Donald Trump.

USA als Garant für reichlich Gas und Öl

"Die USA sind die größte Quelle für das Wachstum der Ölproduktion weltweit", unterstreicht Fatih Birol. Der Chef der Internationalen Energieagentur (IEA) in Paris warnt aber davor, nur auf fossile Energieträger zu blicken. "Wir dürfen nicht vergessen: Energiesicherheit im 21. Jahrhundert bedeutet nicht nur die Verfügbarkeit von Öl und Gas, sondern auch die Diversifizierung von Lieferketten für saubere Technologien.“

Und da hat China eindeutig die Nase vorn. Die "Shale Revolution" hat den USA zur Energieunabhängigkeit und zu größerem geopolitischen Gewicht verholfen. Dasselbe strebt auch China mit der globalen Führungsposition bei grünen Technologien an. Bis dahin ist es zwar noch ein weiter Weg: Immerhin steht Kohle noch immer für rund 60 Prozent des chinesischen Gesamtenergiebedarfs.  

Für die Energieexperten Gloystein und Goldthau geht der globale Trend aber eindeutig in Richtung erneuerbare Energien - nicht erst seit dem Irankrieg, der Hormus-Blockade und den exorbitanten Preisen für Öl und Gas. Aber wer wird sich am Ende durchsetzen? Die fossile Energiedominanz der USA oder der von Peking vorangetriebene elektrifizierte Staat?

"Wenn ich jetzt irgendwo mein Geld hinlegen sollte und auf etwas wetten sollte", so Goldthau, "würde ich sagen, es ist der Elektrostaat, der nicht nur versucht, die Versorgung aus heimischen Energieträgern und damit zum großen Teil aus Erneuerbare Energien zu steuern, sondern vor allem auch die Technologien entwickelt, die andere benötigen."

Comeback für Öl in den USA

 

Thomas Kohlmann
Thomas Kohlmann Redakteur mit Blick auf globale Finanzmärkte, Welthandel und aufstrebende Volkswirtschaften
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