Neue Epstein-Akten erwähnen Ex-Prinz Andrew, Musk und Trump
31. Januar 2026
In der Affäre um den verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein hat die US-Regierung mit mehr als einem Monat Verspätung weitere Dokumente veröffentlicht. "Die heutige Veröffentlichung markiert den Abschluss eines sehr umfassenden Prozesses zur Identifizierung und Überprüfung von Dokumenten, um Transparenz für das amerikanische Volk zu gewährleisten", sagte der stellvertretende Justizminister der Vereinigten Staaten, Todd Blanche, in Washington.
Damit seien mehr als drei Millionen Seiten auf einer Webseite des Justizministeriums veröffentlicht. Darunter sind laut Blanche auch mehr als 2000 Videos sowie 180.000 Fotos.
Freigabe überfällig
In den Dokumenten wird neben anderen Prominenten auch US-Präsident Donald Trump genannt. Der Republikaner hatte sich lange gegen eine Veröffentlichung der Epstein-Akten gewehrt, bis sie auf Druck von Parlament und Öffentlichkeit doch freigegeben wurden.
Vize-Justizminister Blanche sagte bei der Pressekonferenz am Freitag (Ortszeit) zur Veröffentlichung des weiteren Konvoluts, darin seien auch "unwahre und sensationshaschende Behauptungen" über Trump enthalten. Das Weiße Haus habe keinen Einfluss auf die Sichtung der Dokumente gehabt, betonte der stellvertretende Minister, der früher Donald Trumps Anwalt war. "Wir haben Präsident Trump nicht geschützt", fügte er hinzu. "Wir haben niemanden geschützt oder nicht geschützt."
Die Freigabe der Dokumente war überfällig: Laut einem Gesetz des US-Kongresses hätte die Regierung nahezu alle Akten bereits bis zum 19. Dezember veröffentlichen sollen. Bislang geschah dies aber nur mit einem Bruchteil der Dokumente.
Weite Teile der Dokumente geschwärzt
Die Trump-Regierung begründet die Verzögerungen mit der Notwendigkeit, die Identität der Opfer Epsteins unkenntlich zu machen. Auch in den neuen Akten gibt es zahlreiche geschwärzte Stellen. Darunter sind laut der Erklärung des Justizministeriums auch "einige pornografische Bilder". Dagegen betonte das Ministerium: "Prominente Persönlichkeiten und Politiker wurden bei der Veröffentlichung der Akten nicht geschwärzt."
Die oppositionellen Demokraten hatten der Trump-Regierung wegen der Verzögerung einen Gesetzesbruch vorgeworfen. Sanktionen sind in dem Epstein-Akten-Transparenzgesetz allerdings nicht vorgesehen.
Zudem beschuldigen die Demokraten den Präsidenten, sich mit der langsamen Aktenfreigabe selbst schützen zu wollen. Trump hatte die Epstein-Affäre einen "Schwindel" der Demokraten genannt und bestreitet engere Beziehungen zu Epstein. Bisher veröffentlichte Fotos und Dokumente legen das Gegenteil nahe.
Neue Details zu Trumps Freundschaft mit Epstein
Eine E-Mail aus dem Jahr 2012 wirft die Frage auf, was Epstein davon halte, nach Weihnachten Trumps Club Mar-a-Lago zu besuchen - Jahre nachdem Trump angeblich die Freundschaft beendet hatte. Ein persönliches Fehlverhalten konnte dem Präsidenten bisher nicht nachgewiesen werden.
In den jetzt online gestellten Dokumenten tauchen Namen auf, die bereits in den zuvor veröffentlichten Epstein-Akten erwähnt worden waren. In einem E-Mail-Entwurf schrieb Epstein demnach über Microsoft-Gründer Bill Gates, er habe ihm geholfen, "Drogen zu besorgen", damit dieser die "Folgen von Sex mit russischen Mädchen" bewältigen könne. Zudem habe er dem Unternehmer "heimliche Treffen mit verheirateten Frauen" ermöglicht. Gates' Stiftung erklärte, es handele sich um "absolut absurde und vollkommen falsche Behauptungen" eines "erwiesenen, verbitterten Lügners".
In den neu veröffentlichten Dokumenten wird abermals der ehemalige britische Prinz Andrew Mountbatten-Windsor erwähnt. Demnach lud der Bruder von König Charles III. Epstein 2010 in den Buckingham Palast ein. Ob Epstein, der damals auf Bewährung von seinem Hausarrest befreit war, der Einladung in den Palast nachkam, ist aus den Dokumenten nicht ersichtlich.
Aus einem E-Mail-Verlauf scheint hervorzugehen, dass Epstein im Jahr 2010 für Andrew ein Dinner mit einer 26-jährigen Russin in London vermittelte. In der Antwort, die mit Andrews Signatur "HRH The Duke of York KG" versehen und mit dem Buchstaben "A" unterzeichnet ist, heißt es, "ich wäre entzückt, sie zu sehen".
Der gut vernetzte Mister Epstein
Epstein galt als hervorragend vernetzt und verkehrte in höchsten Kreisen. Gleichzeitig betrieb er über Jahre einen Missbrauchsring, dem Dutzende Mädchen und junge Frauen zum Opfer fielen. Andrew beteuerte stets, von den Machenschaften seines Freundes nichts mitbekommen zu haben.
König Charles hatte seinem Bruder wegen dessen früherer Verbindungen zu Epstein alle königlichen Titel und Ehren aberkannt. Die US-Australierin Virginia Giuffre hatte den ehemaligen Prinzen beschuldigt, sie als 17-Jährige missbraucht zu haben.
Auch Elon Musks Name ist in den neu veröffentlichten Epstein-Akten zu lesen. Die Dokumente enthalten mehrere Mailwechsel zwischen dem späteren Trump-Berater und Epstein. In einer Nachricht fragt Musk Epstein: "An welchem Tag oder Nacht findet die wildeste Party auf deiner Insel statt?"
Bereits im vergangenen September hatte Musk in einem Social-Media-Post in großen Lettern deutlich gemacht: "Epstein hat versucht, mich auf seine Insel zu bekommen und ich habe ABGELEHNT." Der Tech-Milliardär Musk erklärte zudem, er habe nur wenig Kontakt zu Epstein gehabt.
In den neu veröffentlichten Dokumenten fallen weitere prominente Namen. Darunter der britische Milliardär Richard Branson, der Epstein auffordert, seinen "Harem" beim nächsten Treffen mitzubringen. Enthalten sind auch E-Mails, die offensichtlich belegen, dass Trumps Handelsminister Howard Lutnick falsche Angaben zu einem gemeinsamen Besuch mit seiner Ehefrau auf Epsteins privater Karibikinsel gemacht hat.
Einige Hinweise laut FBI nicht glaubhaft
Die Dokumente enthalten zudem Listen der US-Bundespolizei FBI mit größtenteils anonym erhobenen Anschuldigungen gegenüber Trump. Das FBI ging demnach einigen dieser Hinweise nach und stufte diese zum Teil als nicht glaubhaft ein.
Verifizieren lassen sich all diese Angaben nicht. Keiner der Genannten wurde bisher offiziell beschuldigt.
Epstein steht unter Verdacht, tausende Minderjährige und junge Frauen missbraucht und teils an Prominente vermittelt zu haben. Er war erstmals 2008 verurteilt worden, weil er die Dienste von minderjährigen Prostituierten in Anspruch genommen hatte. Wegen eines umstrittenen Deals mit der Staatsanwaltschaft lautete die Strafe damals aber nur 18 Monate Gefängnis.
2019 wurde Epstein unter anderem wegen des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen erneut festgenommen. Rund einen Monat nach seiner Festnahme wurde er erhängt in seiner New Yorker Gefängniszelle gefunden, nach offiziellen Angaben beging er Suizid.
AR/pg (afp, rtr, dpa)
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