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Weltbank erwartet 2022 weniger Wachstum

11. Januar 2022

Die Weltbank hat ihre Erwartungen für die Weltwirtschaft gesenkt. Begründung: die anhaltenden Corona-Ausbrüche, weniger staatliche Pandemiehilfen und anhaltende Engpässe in den Lieferketten.

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China Wirtschaftswachstum
Bild: AFP/Getty Images

Nachdem sich die Weltwirtschaft 2021 mit einem kräftigen Plus von 5,5 Prozent nach dem ersten Pandemie-Jahr zurückgemeldet hatte, sorgen anhaltende Probleme und Belastungsfaktoren für eine Eintrübung der Weltkonjunktur. Die Weltbank reduzierte ihre Erwartungen für die globale Wirtschaft in diesem Jahr auf 4,1 Prozent. Noch im Juni war die 189 Länder umfassende Organisation zur Armutsbekämpfung von einem Plus von 4,3 Prozent ausgegangen.

In ihrem am Dienstag veröffentlichten Bericht über die globalen Wirtschaftsaussichten geht die Weltbank davon aus, dass die US-Wirtschaft in diesem Jahr um 3,7 Prozent wachsen wird, nach einem Zuwachs von 5,6 Prozent im Jahr 2021.

Für China, die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt, erwartet die Weltbank nach einem Plus von acht Prozent im vergangenen Jahr eine deutliche Abkühlung auf nur noch 5,1 Prozent in diesem Jahr.

Die 19 Länder der Euro-Zone werden nach Einschätzung der Weltbank-Experten in diesem Jahr voraussichtlich um 4,2 Prozent wachsen, gegenüber 5,2 Prozent im Jahr 2021. Für Japan wird ein Wirtschaftswachstum von 2,9 Prozent prognostiziert, nach 1,7 Prozent im vergangenen Jahr.

Für die Volkswirtschaften der Schwellen- und Entwicklungsländer sehen die Forscher in diesem Jahr ein Wachstum von 4,6 Prozent voraus, nach einem Plus von 6,3 Prozent im Jahr 2021.

Shenzhen Hafen
Nach wie vor sind die Lieferketten zwischen Asien, den USA und Europa angespanntBild: picture-alliance/dpa/HPIC

Unternehmen 2021 von der Dynamik des Aufschwungs überrascht

Nach dem Ausbruch der COVID-19-Pandemie Anfang 2020 war die globale Wirtschaftsleistung im Gesamtjahr 2020 um 3,4 Prozent geschrumpft. Massive Finanzhilfen von Regierungen, extrem niedrige Zinsen und die rasche Einführung von Impfstoffen hatten dann 2021 einen unerwartet starken Aufschwung ausgelöst.

Viele Unternehmen waren schlicht und einfach von der Geschwindigkeit des Aufschwungs überrascht. Der Wettbewerb um Rohstoffe, Material-Lieferungen und Komponenten trieb die Preise für den Warentransport massiv in die Höhe. Das Feilschen um Frachtschiffe, Züge und Lastwagen verstärkte diesen Trend weltweit.

Besonders in den USA haben die Unternehmen seit Monaten große Schwierigkeiten, Arbeitskräfte zu finden, um offene Stellen zu besetzen. Dazu kommen Rekordpreise für Treibstoff und Energie, was die Inflation in den USA und anderen führenden Industrieländern wie Deutschland massiv in die Höhe getrieben hat.

Libanon Supermarkt Preise Lebensmittel
Steigende Preise für Nahrungsmittel treiben neben höheren Kosten für Energie die Inflationsraten weltweit an Bild: Marwan Bou Haidar/Zumapress/picture alliance

Preissteigerungen auf Rekord-Niveau

Weltweit verzeichnen Industrieländer die höchsten Inflationsraten seit mehreren Jahrzehnten. Mittlerweile reduzieren auch viele Zentralbanken ihre Unterstützungsmaßnahmen für mehr Wirtschaftswachstum und haben angekündigt, ihre Zinssätze zu erhöhen, um die ausufernden Preise für Verbraucher und Wirtschaft zu bekämpfen.

Die Weltwirtschaft ist gleichzeitig mit COVID-19, Inflation und politischer Unsicherheit konfrontiert, wobei Staatsausgaben und Geldpolitik "auf unbekanntem Terrain" unterwegs seien, warnte Weltbankpräsident David Malpass.

Besonders sorgenvoll blicken Mallpass und seine Konjunkturexperten auf die Entwicklung in den Schwellen- und Entwicklungsländern. "Die Entwicklungsländer stehen vor ernsten langfristigen Problemen, die aus niedrigeren Impfraten, globaler Makropolitik und ihrer Schuldenlast resultieren", sagte Malpass bei der Vorstellung des aktuellen Wirtschaftsausblicks in Washington. Nach Einschätzung des Weltbankpräsidenten sind die Rückschritte bei der Armutsbekämpfung, der Lebensmittelversorgung, die gesundheitlichen Auswirkungen und die dauerhaften Folgen von Schulschließungen besonders in armen Ländern besorgniserregend.

Indien Symbolbild Arbeitslosigkeit
Arbeitsloser Mann vor geschlossenen Läden in Beawar während des Corona-Lockdowns in IndienBild: Sumit Saraswat/Pacific Press/picture alliance

tko/hb (AP, rtr)