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Politik

Weltstars prangern Homophobie in Polen an

18. August 2020

Ein offener Brief soll Polens nationalkonservative Regierungspartei PiS unter Druck setzen: Etliche internationale Schriftsteller und Filmschaffende werfen ihr die Billigung von Homophobie vor.

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Polen I LGBT Proteste in Warschau
Bild: picture-alliance/K. Zatycki

Angriffe gegen Schwule und Lesben nähmen in Polen zu, "weil sie von der Regierungspartei geduldet werden, die sexuelle Minderheiten zum Sündenbock macht, ohne Rücksicht auf die Sicherheit und das Wohlergehen von Bürgern", heißt es in einem Schreiben der Schriftsteller und Filmschaffenden. Adressiert ist der offene Brief an EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen.

Der spanische Regisseur Pedro Almodóvar, die kanadische Autorin Margaret Atwood und andere Weltstars erklären sich darin "solidarisch mit Aktivisten und ihren Verbündeten, die festgenommen, brutal behandelt und eingeschüchtert werden". Die polnische Regierung müsse ihr Vorgehen gegen sexuelle Minderheiten beenden und dürfe nicht länger homophobe Gruppen unterstützen. Unterzeichnet ist das Schreiben von Dutzenden Künstlern, darunter Schriftsteller wie Paul Auster (USA), J.M. Coetzee (Australien), Ian McEwan (Großbritannien) und Leila Slimani (Frankreich) sowie die Schauspieler Ed Harris (USA) und James Norton (Großbritannien).

Homophobie ist im katholischen Polen immer noch weit verbreitet. Auch Staatschef Andrzej Duda, der im Juli wiedergewählt wurde, machte im Wahlkampf mit Verbalattacken auf Verfechter einer vermeintlichen "LGBT-Ideologie" Stimmung. Das englische Kürzel LGBT steht für lesbisch, schwul, bisexuell und transgender.

Festival de Cannes 2019 | Pedro Almodovar, Regisseur
Einer der vielen Unterzeichner: Pedro Almodóvar gilt als Spaniens bekanntester Regisseur des zeitgenössischen KinosBild: Reuters/E. Gaillard

Aufregung um Margot

In den vergangenen Wochen gingen in Polen tausende Menschen für die Rechte von Homosexuellen auf die Straße, nachdem eine LGBT-Aktivistin für zwei Monate in Untersuchungshaft kam. Sie habe im Juni in Warschau einen Lieferwagen mit homophoben Sprüchen beschädigt, heißt es. Außerdem soll sie die Besitzerin des Wagens, die als Freiwillige für eine Anti-Abtreibungs-Stiftung tätig ist, geschubst haben. Die Aktivistin taucht in den Gerichtsunterlagen offiziell als Mann unter dem Namen Michal Sz. auf, identifiziert sich jedoch als Frau und nennt sich Margot.

Bei einer größeren Demonstration gegen Margots Inhaftierung vor anderthalb Wochen war es zu zahlreichen Festnahmen gekommen. Margot gehört einer Aktivistengruppe namens "Stoppt den Unsinn" an. Die Gruppe wird verdächtigt, mehrere Denkmäler in Warschau, darunter eine Jesus-Statue, mit LGBT-Flaggen behängt zu haben. 

wa/ack (afp, dpa)