Wie Afrika sich geopolitisch Gehör verschafft
2. Januar 2026
Der 20. Januar war eine Zäsur. Mit dem Tag, als Donald Trump erneut ins Weiße Haus in Washington einzog, veränderte sich der Kurs der internationalen Politik. Ob Strafzölle, die Abwicklung der US-Entwicklungsbehörde USAID, der Rückzug der USA aus internationalen Strukturen wie dem Pariser Klimaabkommen und der Weltgesundheitsorganisation WHO oder eine härtere Visapolitik: Die Entscheidungen aus Washington zeigten, wie weit der Einfluss der Großmacht noch reicht.
Trumps Aktionismus, Afrikas Gleichgültigkeit
Doch bei allen Erschütterungen, die Trumps Politik in der Welt auslöste - die Auswirkungen auf den Alltag in afrikanischen Ländern waren begrenzt, urteilt Ovigwe Eguegu, Analyst bei der unabhängigen Beratungsfirma Development Reimagined: "Der Kontinent ist immer noch auf einem guten Weg. Afrika hat keinen großen Exportmarkt für verarbeitete Produkte in die USA." Exportiert würden Rohstoffe wie Öl, Gas, kritische Rohstoffe, Metalle. Dort gebe es einige Ausnahmen - oft fielen gar keine Zölle an.
Auch als Ende September "AGOA" auslief - ein Handelsabkommen der USA mit afrikanischen Ländern, das bereits im Namen "Wachstum und Chancen" versprach - hielt sich die Verzweiflung in Grenzen. Am schwersten betroffen: Einige wenige Länder, für die die USA einen wichtigen Absatzmarkt darstellten, wie der kleine Jeansproduzent Lesotho, der jetzt 50-Prozent-Zölle zahlen soll, oder Auto-Exporteur Südafrika, für das 30 Prozent anfallen.
Südafrikas G20-Erfolg
Südafrikas Beziehungen mit Washington waren besonders angespannt. So sorgte es in Pretoria für Verstimmungen, dass Trump einer Gruppe weißer Südafrikaner politisches Asyl gewährte. Als das Land im November den ersten G20-Gipfel auf afrikanischem Boden ausrichtete, waren der US-Präsident und seine Regierung nicht vertreten. Trump erklärte zudem, Südafrika zum nächsten Gipfel in Miami nicht einladen zu wollen.
Dennoch bewertet Noncedo Vutula, Forscherin an der Nelson Mandela School of Public Governance, das Gipfeltreffen als einen Erfolg. "Die Diskussionen waren reichhaltig und berücksichtigten alle verschiedenen Standpunkte, die im Vorfeld debattiert wurden", sagt Vutula im DW-Gespräch. Für Südafrika sei es besonders erfreulich, dass eine gemeinsame Gipfelerklärung zustande gebracht wurde - gegen den Willen Washingtons, das versucht hatte, eine Erklärung ohne die USA zu verhindern.
Darin beriefen sich die versammelten führenden Industrienationen, die Europäische und Afrikanische Union auf die afrikanische "Ubuntu"-Philosophie und bekannten sich zum Multilateralismus und zu globalen Entwicklungspartnerschaften: "Im Geist von Ubuntu erkennen wir an, dass einzelne Nationen nicht in Isolation gedeihen können." Am Ende stand die Absichtserklärung, die "Stimme Afrikas in der G20 und allen anderen internationalen Foren" weiter zu stärken.
Entwicklung braucht Wertschöpfung in Afrika
Eine Formulierung, deren Symbolkraft nicht zu unterschätzen ist - für einen Kontinent, der sich über Jahrzehnte bemühte, aus dem Schatten seiner kolonialen Vergangenheit zu treten. Sie findet Widerhall auch in den Worten von Angolas Präsident João Lourenço, der Tage später als Gastgeber des Gipfels der Afrikanischen Union und der Europäischen Union formulierte: "Die Welt besteht nicht nur aus ein oder zwei Ländern. Wir arbeiten mit jedem, der uns gegenüber offen ist."
Bei dem Treffen in Luanda bekräftigten die europäischen Partnerländer ihre Unterstützung für große Infrastrukturprojekte - etwa den Lobito-Korridor - im Rahmen der Global-Gateway-Initiative. Entscheidend bleibt aus Sicht von Experten, dass die Wertschöpfung in afrikanischen Ländern ausgebaut werden muss - auch mithilfe der Partner aus Europa. "Sie wissen das", unterstreicht Analyst Eguegu. "Aber es sind nur Lippenbekenntnisse." Es brauche eine Dynamik, in der die Zusammenarbeit zum Vorteil beider Seiten gestaltet werde.
Unterdessen bauen afrikanische Länder ihre Beziehungen zu Russland und zu kleineren Akteuren wie der Türkei oder den Vereinigten Arabischen Emiraten aus. Weiterhin von Bedeutung ist China, das fast zeitgleich mit dem AU-EU-Gipfel ein weiteres Milliardenabkommen mit Sambia zum Ausbau des ostafrikanischen Schienennetzes schloss. Doch langfristig bleibt Europa für afrikanische Länder laut Eguegu ein Wunschpartner - eben wegen der jahrhundertealten Verflechtungen, die sich in der Demographie abbilden: Auch wenn die Beziehungen problematisch waren, gebe es Verbindungen, die sich heute nicht mehr wegdenken ließen.
Kriege und Militärherrschaft bremsen Entwicklung
Ein entscheidender Faktor, der die Rolle Afrikas in der Welt weiterhin dämpft, sind Krisen und Konflikte, etwa der Bürgerkrieg im Sudan, der seit zweieinhalb Jahren andauert, und der Konflikt im Ostkongo, der trotz internationaler Vermittlung, auch durch die USA, weiter anhält. Zudem stehen zurzeit acht afrikanische Länder unter Militärherrschaft, oft ohne klare Perspektive für eine Rückkehr zur Demokratie - in diesem Jahr kamen Madagaskar und Guinea-Bissau neu dazu.
Ein friedliches Afrika könne dazu beitragen, dass der Kontinent sich auch wirtschaftlich entwickle, sagt Forscherin Vutula. Und Eguegu argumentiert, dass Afrika bis zum heutigen Tag abhängig bleibe vom Einfluss ausländischer Mächte: "Das ist die politische Realität schwacher Staaten. Denn der Kontinent ist voller schwacher Staaten, und schwache Staaten verfügen weder über die Kapazitäten noch über die politische Erfahrung. Ihre nationalen Gegebenheiten machen sie anfällig für äußere Einflüsse."
Gemeinsam mit Entwicklungsländern vorangehen
Ein weiterer Aspekt ist die nach wie vor hohe Schuldenlast, die die wirtschaftliche Entwicklung vieler afrikanischer Länder hemmt. Dies wurde auch in der Gruppe der G20 als Problem anerkannt. Besonders schwierig sei die Lage für viele Länder mit niedrigem Einkommen, insbesondere in Afrika, heißt es in der Gipfelerklärung: "Wir stellen mit Besorgnis fest, dass die Zinszahlungen für die gesamte ausländische Staatsverschuldung deutlich gestiegen sind und sich in den letzten zehn Jahren für Länder mit niedrigem Einkommen (LICs) mehr als verdoppelt haben."
Eine Lösung für mehr wirtschaftliche Unabhängigkeit sieht Noncedo Vutula in der afrikanischen Freihandelszone (AfCFTA). Die meisten Länder hätten das Abkommen bereits ratifiziert, betont sie. Es gebe zwar noch Herausforderungen zu meistern. "Aber es gibt Afrika Hoffnung, dass wir untereinander Handel treiben können. Wir können regionale Wertschöpfungsketten in Afrika aufbauen und dafür sorgen, dass sich die Volkswirtschaften Afrikas entwickeln."
Um Fortschritte zu erzielen, sei es zudem wichtig für Afrika, sich mit gleichgesinnten Ländern und insbesondere mit Ländern des globalen Südens zusammenzutun, sagt Vutula. Das sei etwa in der Klimapolitik zu beobachten. Die COP30-Konferenz im brasilianischen Belém habe nicht die gewünschten Ergebnisse gebracht, sagt Vutula. "Afrika muss eng mit Entwicklungsländern zusammenarbeiten, um diese Aspekte voranzubringen." Viel mehr, als dies nur in internationalen Foren einzubringen, gehe es auch darum, Finanzierungsmechanismen innerhalb der Entwicklungsländer zu finden, um die Klimafolgen abzufedern.