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Deutsche Firmen und die richtige "Trump-Taktik"

Dirk Kaufmann
18. Januar 2026

Vor einem Jahr wurde Donald Trump zum zweiten Mal Präsident der USA. Sein Kurs und seine Drohungen sind deutlich schärfer geworden. Unternehmen in Deutschland reagieren verunsichert, machen aber noch 'business as usual".

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Autos der Marke Audi werden auf Güterwaggons transportiert - im Vordergrund wehen die 'Stars and Stripes'
US-Zölle belasten die deutsche Automobilindustrie - und nicht nur diese Branche sucht nach neuen WegenBild: Frank Hoermann/SvenSimon/picture alliance

Die zweite Amtszeit von Donald Trump hat sich in ihrem ersten Jahr als äußerst turbulent herausgestellt: Das Tempo seiner präsidialen Verfügungen und Drohungen hat deutlich zugenommen. Fast im Wochentakt geht er auf neue "Gegner" im In- und Ausland los. Das Tempo lässt auch 2026 nicht nach, wie die jüngsten Zoll-Ankündigungen zeigen.

Die Bilder, auf denen er Tafeln mit Ländern, die er mit "reziproken Zöllen" bestrafen will, in die Kameras hält, gingen 2025 um die Welt. Betraft werden können aber auch Unternehmen. So könnte in den USA tätigen Firmen etwa das Festhalten an innerbetrieblichen Gleichstellungsprogrammen vorgeworfen werden.

Diese von Trump vehement abgelehnten Regeln (auf Englisch Diversity, Inclusion and Equality (DIE), sollen unter anderem Diskriminierungen wegen Religion, Hautfarbe und vor allem Geschlechtsidentität verhindern.

Donald Trump beginnt Handelskrieg mit US-Zöllen

2025 hat aber auch gezeigt: Nicht alle Drohungen werden umgesetzt. Doch einmal erhoben, erfüllen sie bereits ihren Zweck. Sie verunsichern die Konkurrenz und stärken so amerikanische Positionen. Auch deutsche Unternehmen sind betroffen. Was bedeuten die Drohungen für ihr Geschäft? Wie gehen sie damit um?

Amerikanische Jobs

Diese Frage stellt sich auch die Auslandsvertretung der deutschen Unternehmen. Die Auslandshandelskammern (AHK) unterstützen dabei insbesondere die Marktinteressen deutscher Firmen im Gastland. Ihr "AHK World Business Outlook Herbst 2025" zeigt dabei eindeutig: "Die Stimmung deutscher Unternehmen in den USA bleibt angespannt." Zu den größten Belastungsfaktoren zählten dabei die Zölle.

Christoph Schemionek von der AHK in Washington stellt im DW-Gespräch klar, dass die USA für deutsche Unternehmen weiterhin sehr wichtig sind: "Wir sind hier stark investiert, Deutschland ist inzwischen der drittgrößte ausländische Direktinvestor - hinter Japan und Kanada."

BMW-Fahrzeug in New Yorker Autohaus - im Hintergrund der New Yorker Stadtverkehr
Trump mag zwar keine deutschen Autos, aber gerade BMW schafft tausende Jobs in den USABild: Sven Hoppe/dpa/picture alliance

Aber wichtiger seien die Arbeitsplätze, die so in den Vereinigten Staaten geschaffen würden, fast "eine Millionen amerikanische Jobs", so Schemionek. Das Thema sei "interessant, weil es genau das ist, was der Präsident möchte, wofür er angetreten ist."

Allerdings sei die Trumpsche Zollpolitik in Teilen kontraproduktiv. Aktuell sei es schwierig, mit hohen Zöllen belegte Maschinen in die USA zu bringen: "Das verlangsamt dann natürlich die Re-Industrialisierung des Landes."

Getrübtes Klima

Die Germany Trade and Invest (GTAI), die bundeseigene Gesellschaft für Außenwirtschaft und Standortmarketing, ist so etwas wie die Wirtschaftsförderungsagentur Deutschlands. Roland Rohde, US-Experte von GTAI, betont gegenüber der DW, die USA seien "die größte Exportdestination" für Deutschland geblieben.

Aber: "Die Geschäftsbedingungen haben sich insgesamt signifikant verschlechtert." Die deutschen Exporte in die USA seien in den ersten zehn Monaten laut Statistischem Bundesamt "um 7,5 Prozent zum Vorjahreszeitraum zurückgegangen", so Rohde. "Die Stimmung unter deutschen Unternehmen hat sich auf das Gesamtjahr betrachtet deutlich eingetrübt."

Zum Beispiel Autos und Maschinen

Das größte Problem für deutsche Unternehmen, die in oder mit den USA Handel treiben, ist die US-Zollpolitik, die mit den jüngsten Ankündigungen gerade wieder Fahrt aufnimmt. Laut Roland Rohde sei das "der dominierende Faktor."

Er sieht aber große Unterschiede, abhängig von der Branche: "Die Kfz-Branche ist von den 50-Prozent-Zöllen auf Stahl und Aluminium sowie deren Derivate ausgenommen. Hier fallen 'nur' die 15-Prozent-Zölle auf Importe aus der EU an. Jedoch haben die Autobauer die Zölle bislang nicht an die Konsumenten weitergeben können."

"Im Maschinenbau", so Rohde weiter, sei die Lage genau umgekehrt. Denn etwa die Hälfte der Maschinenlieferungen in die USA seien "von den Zöllen auf Stahl und Aluminium betroffen." Dazu käme ein hoher bürokratischer Aufwand, müsse "doch für jede Schraube Metallgehalt und Herkunft ermittelt werden. Dafür liefern deutsche Maschinenbauer oft Produkte, für die es auf dem US-Markt wenig Konkurrenz gibt. Dadurch können sie einen Großteil der Zollkosten auf ihre Kunden abwälzen."

Wie gehen deutsche Maschinenbauer mit US-Zöllen um?

Sollten fremde Unternehmen ihre Vorprodukte lieber in den USA produzieren, wie es der US-Präsident fordert? Christoph Schemionek von der AKH Washington sieht das differenziert: "Zum Teil macht das ja Sinn, wenn man die Lieferketten enger bei sich hat." Aber das sei nur bis zu einem gewissen Grad praktikabel. Es sei schlicht "nicht möglich, alles in den USA einzukaufen, weil es unter anderem die hoch spezialisierten Maschinen, die in Deutschland, Japan, Südkorea und Italien hergestellt werden, in den USA nicht gibt."

Und die könnten in den Vereinigten Staaten auch nicht gebaut werden, weil dafür "die Lieferketten und das Wissen fehlen. Das sind ja Jahrzehnte oder Jahrhunderte lange Erfahrung, die uns dahin gebracht haben, dass wir eben diese hoch spezialisierten Maschinen in Deutschland bauen können."

Roland Rohde von GTAI sieht das genauso: Der Maschinenbau werde seine Kapazitäten nicht erhöhen, "da in den USA die Fachkräfte fehlen".

"Wir halten uns an die Gesetze"

Die DW hat bei einigen der größten Unternehmen Deutschlands, die auch in den USA vertreten sind, nachgefragt, wie sich das Geschäft aus ihrer Sicht entwickelt. Die Lufthansa antwortete: "Das Kapazitätswachstum auf dem Nordatlantik liegt mit einem Plus von sechs Prozent über dem Durchschnitt. Menschen wollen nach wie vor fliegen, auch nach Amerika."

Zur ihren Diversitätsprogrammen teilte die Airline lediglich mit: "Die Lufthansa Group hält sich grundsätzlich an gesetzliche Vorgaben."

Volkswagen und die Deutsche Telekom hatten im vergangenen Jahr angekündigt, ihre Diversitätsprogramme zu reduzieren oder zu beenden. Andere Unternehmen wie BMW, Henkel und Siemens sahen zu dem Zeitpunkt keinen Anlass, sofort zu reagieren, und wollten die Entwicklung beobachten.

Der DW teilten nun alle befragten Firmen mit, sich bei den Diversitätsprogrammen an geltende Gesetzte zu halten. Mercedes schrieb: "Wir vertreten die Auffassung, dass unsere Programme und Initiativen in den USA im Einklang mit den geltenden gesetzlichen Anforderungen stehen." Ähnliche antworteten der Chemiekonzern BASF und T-mobile, die US-Mobilfunktochter der Deutschen Telekom.

Der Hinweis, sich an Gesetze zu halten, verdeutlicht, wie vorsichtig deutsche Firmen in diesem Punkt sind: Sie wollen ihren Diversitätsprogrammen nicht völlig abschwören, was als 'pro-Trump' gedeutet würde. Andererseits wollen sie sich aber auch nicht offensiv zu ihren Diversitätsprogrammen bekennen, was als 'anti-Trump' gedeutet werden könnte. 

Luftfahrt im Winter: Ein Lufthansa-Flugzeug wird am Münchner Flughafen "Franz-Josef-Strauß" vor dem Start enteist
Enteisung vor Abflug: "Menschen fliegen nach wie vor nach Amerika. Der transatlantische Austausch funktioniert", so die Lufthansa zur DWBild: Matthias Schrader/AP/dpa/picture alliance

Zu den Geschäftsaussichten heißt es bei Mercedes: "Die Märkte haben sich verändert, und wir gehen künftig noch stärker auf regionale Bedarfe und Wachstumschancen ein." BASF antwortete: "Die USA sind und bleiben ein wichtiger Markt für BASF. Unser Fokus liegt aktuell auf dem Ausbau unserer Produktionskapazitäten in Louisiana. Die Inbetriebnahme soll 2026 erfolgen."

Unangebrachte Schwarzmalerei

GTAI-Experte Roland Rohde sieht für die nahe Zukunft jedenfalls nicht schwarz: "Deutsche Autobauer wollen ihre Fertigungskapazitäten in den USA erhöhen", teilte er mit. Jedoch nur "im überschaubaren Rahmen. Jeder Dollar, der in Zölle fließt, fehlt bei den Investitionen."

Grundsätzlich jedoch blieben "die USA ein großer und attraktiver Absatzmarkt. Vor diesem Hintergrund dürften die deutschen Unternehmen ihr US-Engagement auf absehbare Sicht verstärken", so Rohde.

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