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Rio: Von Obdachlosen zu Hausbauern

Bianca Kopsch
2. September 2021

In Brasiliens Metropole Rio de Janeiro ist Wohnraum knapp und teuer. Ein nachhaltiges Wohnprojekt bietet Bedürftigen die Chance, ihre Wohnungen selbst zu bauen, statt in Obdachlosigkeit oder den Armenvierteln zu landen.

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Menschen verbauen Ziegelsteine zu Mauern auf einer Wohnungsbaustelle im Rahmen des Wohnprojekts Solano Trindade, in Duque de Caxias, Brasilien
Hausbau in Eigenarbeit: Im öko-sozialen Wohnprojekt Solado Trinidade bauen die künftigen Bewohner ihre Wohnungen selbst – mit ökologischen BautechnikenBild: Bianca Kopsch

Rio: Von Obdachlosen zu Hausbauern

Zwanzig Jahre lang lag das öffentliche Grundstück in Rios Vorstadt Duque de Caxias brach. Jetzt entsteht hier Wohnraum - zunächst für zwölf Familien. Bereits 2014 besetzte die Wohnraumbewegung MNLM (Movimento Nacional de Luta pela Moradia) das Grundstück und rief das nachhaltige Wohnprojekt Solano Trindade ins Leben.

Modellwohnung des Wohnprojekts Solano Trindade, in Duque de Caxias, Brasilien
Oben noch das Alte, unten die neue Wohnung: Das öko-soziale Wohnprojekt Solano Trindade will Wohnraum für gut 100 bedürftige Familien schaffenBild: Bianca Kopsch

In Kooperation mit der staatlichen Universität in Rio (UFRJ) entstand ein Architekturprojekt der besonderen Art: Die künftigen Bewohner bauen die bereits bestehenden Gebäude hier selbst um. Aus Lehm, Sand und Zement pressen sie eigene Ziegelsteine und erschaffen sich ihr neues Zuhause. Gleichzeitig erwerben sie nützliche Fähigkeiten für den Arbeitsmarkt. Ein Kollektiv aus ehemaligen Studenten der UFRJ begleitet die Arbeiten.

Mehr als 100 Wohneinheiten, ein Schulungszentrum für alternative Bautechniken, eine Produktionshalle und Verkaufsräume sowie ein ökologisch bewirtschafteter Gemüsegarten sollen hier entstehen.

Kinder rennen auf einem Pfad an Bananenstauden vorbei durch den Garten des Wohnprojekts Solano Trindade, in Duque de Caxias, Brasilien
Auf dem großen Gelände soll Obst und Gemüse in einem Gemeinschaftsgarten angebaut werdenBild: Bianca Kopsch

Doch die Finanzierung ist ins Stocken geraten, denn unter Brasiliens rechtsgerichteter Regierung wurden viele Förderprogramme gestrichen. Armut, Wohnungsnot und soziale Ungleichheit nehmen zu. Die Armenviertel vor den Toren der Ballungszentren wachsen stetig - ohne Bauplanung, Abwasserentsorgung und Müllabfuhr. Ein Drama für Mensch und Umwelt. Und bei Solano Trindade ist man nun auf Spenden angewiesen.

Ein Film von Bianca Kopsch

Projektziel: Errichtung von Wohnraum für bedürftige Familien in Duque de Caxias, Brasilien. Langfristig sollen in einem ökologischen Gesamtkonzept gut 100 Wohneinheiten sowie wohnraumnahe Arbeitsmöglichkeiten entstehen.

Projektfinanzierung: Anfangsförderung aus staatlicher Förderung: umgerechnet rund 60.000 Euro. Aktuell laufendes Crowdfunding zur Fertigstellung der ersten zwölf Wohneinheiten: avisiert umgerechnet rund 5000 Euro.

Partnerorganisationen: Solano Trindade ist ein nachhaltiges Wohnprojekt der Wohnraumbewegung MNLM (Movimento Nacional de Luta pela Moradia / Movement for Housing Struggle). Hauptkooperationspartner ist die Staatliche Universität Rio de Janeiro (UFRJ).

Weitere Kooperationspartner sind unter anderem das Observatório das Metrópoles, die Technische Universität Berlin sowie die Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg.

Projektdauer: Start 2014 - unbefristet.