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Brasilien setzt stärker auf Windkraft

Jan D. Walter14. Januar 2014

Noch nie wurden in Brasilien so viele Windparks ausgeschrieben wie 2013. Bisher spielt diese Stromquelle keine signifikante Rolle im Land, dabei ist das Potenzial riesig und das Produkt begehrt.

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Windpark in Santo Antonio da Patrulha, Brasilien (Foto: imago/Fotoarena)
Bild: imago/Fotoarena

In Rio de Janeiro kann man dieser Tage "Eier auf dem Asphalt braten" - so ein beliebter Kommentar der Einwohner zur Hitzewelle, die ihre Stadt seit dem Jahreswechsel im Griff hat. Außergewöhnlich ist das nicht. Der Januar ist der heißeste Monat in diesen Breiten und die Brasilianer wissen, wie man mit der Hitze umgeht: Man dreht die Klimaanlage bis zum Anschlag auf und hofft auf Besserung.

Genau dies bringt den brasilianischen Stromhaushalt vor allem in den Sommermonaten an seine Grenzen, zumal der Verbrauch weiter wächst: Im November 2013 waren er rund 3,3 Prozent höher als im Vorjahresmonat.

Wasserkraft am Limit

Das Land muss also dringend seine Kapazitäten ausbauen. Nach wie vor ist die billigste und ertragreichste Energiequelle des Landes die Wasserkraft. Rund drei Viertel des in Brasilien verbrauchten Stroms stammen daher.

Doch unter ökologischen und humanitären Gesichtspunkten sind weitere Großstaudämme kaum noch durchsetzbar. Die anhaltenden Proteste gegen den Staudamm in Belo Monte haben den Bau der Staumauer mehrfach aufgehalten. Inzwischen wird das Projekt durchgesetzt, aber vorerst dürfte der Staat nur noch Konzessionen für kleine, lokale Kraftwerke vergeben.

Indigene protestieren gegen den Staudamm Belo Monte in ihrem Stammesgebiet (Foto: AP)
Indigene protestieren gegen den Staudamm Belo Monte in ihrem StammesgebietBild: AP

Windkraft soll es richten

Geht es nach Everaldo Feitosa wird die Windkraft diese Lücke schließen. Der Gründer und Geschäftsführer des Windradbauers Eolica ist von den guten Chancen seiner Branche in Brasilien überzeugt: "Der Wind weht so konstant, dass in Brasilien - vor allem im Nordosten - die Generatoren eine Ausbeute von rund 50 Prozent ihrer Maximalkapazität erreichen, in Deutschland sind es nur etwa 25 Prozent."

Infografik Brasiliens Energiemix 2012

Aus diesen exzellenten Gegebenheiten, erklärt Feitosa, der auch Professor für Ingenieurwesen an der Universität von Pernambuco ist, ergeben sich so niedrige Strompreise, wie sie sonst nur die Wasserkraft liefern könne.

Weichen auf Wind gestellt

Tatsächlich hat sich die Windkraft als schärfster Konkurrent der Wasserkraft entpuppt. In den letzten zwei Ausschreibungsrunden des Energieministeriums im November und Dezember 2013 haben die Windparkbetreiber einen Großteil der Aufträge abgeräumt, bei denen der Bieter gewinnt, der den niedrigsten Strompreis garantiert: Insgesamt gab die Regierung 158 Projekte für eine Kapazität von 2100 Megawatt (MW) in Auftrag, 136 sind Windparks, und sie sollen eine Leistung von 1500 MW erzeugen.

Insgesamt gab die Regierung seit 2009 eine Windkraftkapazität von 11.751 MW in Auftrag. Um die Wasserkraft als Stromquelle Nummer eins abzulösen reicht das aber bei weitem nicht. Ungefähr so viel Strom kann alleine das Kraftwerk des binationalen Itaipú-Staudamm auf der Grenze zu Paraguay ins brasilianische Netz einspeisen. Möglich wäre es aber wohl: Insgesamt schätzen Experten das Potenzial der brasilianischen Winde auf 350 Gigawatt. Das wäre etwa die fünffache Strommenge, die Brasilien derzeit insgesamt im Jahresmittel produziert.

Der Itaipú-Staudamm auf der Grenze zwischen Brasilien und Paraguay (Foto: AP)
Der Itaipú-Staudamm: Wasserkraft ist in Brasilien Stromquelle Nummer einsBild: AP

Das Problem Netzausbau

Bisher allerdings liegt der Anteil des Windstroms im brasilianischen Elektrizitätsmix noch unter zwei Prozent. Das könnte schon heute mehr sein, denn nach Informationen des nationalen Verbandes für Windenergie (ABEEolica) ist rund ein Drittel der installierten Kapazität noch nicht inBetrieb. In den nordöstlichen Bundesstaaten Rio Grande do Norte und Bahia stehen 48 Windparks mit einer Maximalleistung von 1270 MW, die bereit sind Strom zu produzieren - allein, sie sind noch nicht ans Netz angeschlossen. Laut Plan dauert es noch bis 2015, bis ihr Strom bei den Verbrauchern ankommt.