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Politik

Mutmaßliche IS-Terroristin vor Gericht

6. März 2020

Die Frau aus Oberhausen hatte sich mit ihren drei kleinen Kindern nach Syrien abgesetzt. Dort ließ sie ihren sechsjährigen Sohn zum Kindersoldaten ausbilden. Unter anderem werden ihr Kriegsverbrechen zur Last gelegt.

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Deutschland | Mutmaßliches IS-Terroristin vor Gericht
Carla-Josephine S. war im vergangenen Jahr mit Hilfe des Auswärtigen Amtes aus Syrien zurückgebracht wordenBild: picture alliance/dpa/B. Thissen

Beim Prozessauftakt vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht sagte Carla-Josephine S. umfassend aus und gestand, vor fünf Jahren heimlich mit ihren Kindern nach Syrien gereist zu sein. Dies geschah gegen den Willen ihres Ehemannes, der beruflich unterwegs war. Die Kinder waren damals drei, sechs und sieben Jahre alt.

KInder von der Religionspolizei züchtigen lassen

In dem vom "Islamischen Staat" (IS)  beherrschten Gebiet soll die Deutsche ihren sechsjährigen Sohn Hamza in ein Camp für Kindersoldaten gegeben haben. Als er die IS-Ideologie hinterfragt habe, habe sie ihn an die Religionspolizei verraten und züchtigen lassen, so die Bundesanwaltschaft. Der kleine Junge starb 2018 in Syrien bei einem Raketenangriff. Die Ankläger werten dies als Entziehung Minderjähriger - in Fall ihres Sohnes Hamza mit Todesfolge.

Die Übergabe ihres kleinen Sohnes an ein militärisches Ausbildungscamp für Kindersoldaten wertet die Anklage als Kriegsverbrechen. Zudem hätten die kleinen Kinder in Unterkünften leben müssen, die bombardiert und beschossen wurden. Ihre Mutter soll sie auch gezwungen haben, sich eine öffentliche Hinrichtung anzuschauen.

Deutschland | Mutmaßliche IS-Terroristin vor Gericht
Bis Ende April wurden für den Fall zunächst elf Verhandlungstage angesetzt Bild: Reuters/W. Rattay

Insgesamt sechs Straftaten aufgelistet

Zudem hatte sich die 32-Jährige, die sich als Salafistin bezeichnet, in Syrien der Frauen-Kampfeinheit "Katiba Nusaiba" des IS angeschlossen - und wurde damit IS-Terroristin. Mit dem Besitz einer Handgranate habe sie gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz verstoßen, so die Anklage. Granaten erhielten IS-Kämpferinnen, um im Fall einer Festnahme sich und die Feinde in die Luft zu sprengen.

Insgesamt ein halbes Dutzend Straftaten listen die Ankläger auf. Der Deutschen drohen bis zu 15 Jahre Haft. Sie gehört zu den ersten mutmaßlichen IS-Anhängerinnen, die mit Hilfe des Auswärtigen Amtes aus dem Nahen Osten zurückgebracht wurden.

IS-Kämpfer geheiratet

Anfang April 2019 traf sie am Stuttgarter Flughafen ein und wurde sofort festgenommen - zunächst auf Veranlassung der Düsseldorfer Generalstaatsanwaltschaft. Im Zuge der Ermittlungen stellten sich die Vorwürfe so schwerwiegend heraus, dass die Bundesanwaltschaft den Fall übernahm. Carla-Josephine S. hatte in Syrien zudem einen IS-Kämpfer geheiratet und mit ihm noch ein Kind bekommen. Der Mann sei inzwischen tot.

uh/qu (dpa, afp)