1. Zum Inhalt springen
  2. Zur Hauptnavigation springen
  3. Zu weiteren Angeboten der DW springen
LiteraturNiederlande

Übersetzerin von Amanda Gorman gibt auf

Sarah Hucal pj
3. März 2021

Marieke Lucas Rijneveld wird den Gedichtband von Amanda Gorman nicht ins Niederländische übersetzen. Zuvor gab es Kritik an ihrer Ernennung.

https://p.dw.com/p/3q9uz
USA Washington Amtseinführung  Joe Biden Rezitation Amanda Gorman
US-Dichterin Amanda Gorman bei der Amtseinführung von Joe Biden am 20.01.2021Bild: Patrick Semansky/REUTERS

Die junge afroamerikanische Lyrikerin Amanda Gorman stahl Joe Biden bei dessen Amtseinführung am 20. Januar fast die Show, als sie ihr kraftvolles Gedicht "The Hill We Climb" vortrug. Gerade wird das Werk in mehrere Sprachen übersetzt. Vergangenen Freitag lehnte die Autorin Marieke Lucas Rijnveld, die Gormans Gedicht ins Niederländische übersetzen sollte, den Auftrag ab - als Folge der heftigen Kritik daran, dass sie selbst nicht schwarz sei. 

Rijnveld machte ihre Entscheidung in einem Tweet öffentlich: "Ich bin schockiert über die Aufregung um meine Beteiligung daran, Amanda Gormans Botschaft zu verbreiten, und ich verstehe die Menschen, die sich verletzt dadurch fühlen, dass die Wahl von Meulenhoff (Gormans niederländischem Verlag, Anm. d. Red.) darauf fiel, mich zu fragen", so Rijneveld, die selbst auch Lyrikerin ist. Ähnlich wie Gorman, die mit 22 die jüngste Poetin bei einer Amtseinführung war, war Rijneveld die jüngste Autorin aller Zeiten, die den International Booker Prize gewann - mit ihrem Roman "Was man sät" im Jahr 2020. 

"Verpasste Chance"

Eine derjenigen, die Rijnveld aufforderten, den Job abzulehnen, ist Janice Deul, eine Aktivistin und Journalistin, die in der niederländischen Tageszeitung "De Volkskrant" ein Meinungsstück über das Thema schrieb. "Nicht dass ich Rijnevelds Qualitäten schmälern will", hieß es darin, "aber warum wählt man nicht eine Autorin aus, die - wie Gorman - Spoken-Word-Künstlerin ist, jung, eine Frau und ganz selbstverständlich schwarz?"

Porträtfoto von Marieke Lucas Rijneveld
Marieke Lucas RijneveldBild: picture-alliance/dpa/anp/J. Jumelet

"Ist es nicht mindestens eine verpasste Chance, Marieke Lucas Rijneveld für den Job angeheuert zu haben? Sie ist weiß, non-binär, hat keine Erfahrung auf dem Gebiet, ist aber laut Meulenhoff die 'Traumübersetzerin'", so Duel. Sie nannte auch ein paar denkbare Übersetzerinnen. Die Generaldirektorin von Meulenhoff, Maaike Le Noble, erklärte in einem Statement: "Wir werden nach einem Team suchen, mit dem wir gemeinsam daran arbeiten werden, Amandas Worte und ihre Botschaft der Hoffnung und Inspiration so gut wie möglich und in ihrem Geiste zu übersetzen."

Deutsches Übersetzerinnenteam

Die französische Fassung von Amanda Gormans Gedicht wird im Mai erscheinen und wird von der belgisch-kongolesischen Musikerin Marie-Pierra Kakoma übersetzt, die unter dem Namen "Lous and the Yakuza" auftritt. In Deutschland wird "The Hill We Climb" beim Hamburger Verlagshaus Hoffmann und Campe erscheinen. Dort arbeitet man mit einem Team aus drei Übersetzerinnen: Kübra Gümüşay, Hadija Haruna-Oelker und Uda Strätling. Jede der drei Übersetzerinnen bringt laut Verlags-Statement ihre eigene Expertise mit. 

Die 33-jährige Autorin und Aktivistin Kübra Gümüşay behandelt in ihrem Bestseller "Sprache und Sein" das Thema respektvolle Kommunikation. Die afrodeutsche Politikwissenschaftlerin, Journalistin und Autorin Hadija Haruna-Oelker forscht in ihrer Arbeit unter anderem über Migration und Rassismus. Die Lyrik-Übersetzerin Uda Strätling, die Dritte im Bunde, hat unter anderem Arbeiten der afroamerikanischen Schriftsteller Teju Cole und Claudia Rankine ins Deutsche übersetzt.

"The Hill We Climb - Den Hügel hinauf" wird als zweisprachige Ausgabe noch im März bei Hoffmann und Campe erscheinen.

ap/afp (sh)

Korrektur, 4. März 2021: Eine frühere Version dieses Textes legte fälschlicherweise nah, Hoffmann und Campe hätten sich für ein Team aus drei Übersetzerinnen entschieden, um eine Kontroverse wie bei Meulenhoff zu vermeiden. Das Verlagshaus hatte diese Entscheidung aber schon vor der Debatte in den Niederlanden getroffen. Der Fehler wurde korrigiert.