Bewegende Gedenkfeier für die Anschlagsopfer vom Bondi Beach
21. Dezember 2025
Es war genau 18.47 Uhr Ortszeit, als Bürgerinnen und Bürger dem Aufruf der Regierung folgten, bei Kerzenlicht für die 15 Todesopfer des Anschlags eine Schweigeminute abzuhalten. Das Gedenken erfolgte genau eine Woche nach den ersten Berichten über tödliche Schüsse am weltberühmten Bondi Beach in Sydney während einer Chanukka-Feier.
Auch in Stadtkneipen, Privathäusern und Institutionen wurden landesweit Kerzen in den Fenstern entzündet, um unter dem Motto "Licht statt Dunkelheit" Unterstützung gegenüber jüdischen Mitbürgern zu bekunden.
Lehren aus Chanukka
"Wir haben unsere Unschuld verloren … letzte Woche ist uns unsere Unschuld genommen worden", sagte David Ossip, Präsident des Jüdischen Rates von New South Wales, in seiner Eröffnungsrede. "Wir sind an einem dunklen Ort gelandet. Aber Freunde, Chanukka lehrt uns, dass Licht selbst die trostlosesten Orte erhellen kann. Eine einzige mutige Tat, eine einzige Flamme der Hoffnung kann uns Orientierung geben und den Weg nach vorn weisen."
Am Sonntag vergangener Woche hatten zwei Angreifer - Vater und Sohn - am Bondi Beach auf Teilnehmer einer Feier zum jüdischen Lichterfest geschossen und 15 Menschen getötet. Dutzende Menschen wurden verletzt, einige von ihnen schwer. Die australischen Behörden hatten die Tat am Bondi Beach als antisemitischen Angriff eingestuft.
Buh-Rufe für Premierminister Albanese
An der Gedenkfeier nahmen auch Premierminister Anthony Albanese und andere Führungspersönlichkeiten teil. Die Veranstaltung wurde von einem starken Polizeiaufgebot mit Scharfschützen auf den Dächern und Polizeibooten im Wasser geschützt.
Albanese wurde bei seiner Ankunft und später, als sein Name während der Gedenkfeier erwähnt wurde, von der Menge ausgebuht. Er saß in der ersten Reihe und trug eine Kippa, die traditionelle jüdische Kopfbedeckung. Albanese, der in der Kritik steht, nicht genug gegen den Anstieg des Antisemitismus seit Beginn des Gaza-Krieges getan zu haben, war nicht als Redner vorgesehen.
Aufruf zum Kampf gegen Antisemitismus aus Israel
Der israelische Staatspräsident Izchak Herzog rief zu einem weltweiten Kampf gegen Antisemitismus auf. "Der weltweite Anstieg des Judenhasses ist ein globaler Notstand", sagte Herzog bei einer Gedenkveranstaltung in Jerusalem für die 15 Todesopfer in Australien.
Herzog verlangte, alle müssten sich am Kampf gegen Antisemitismus beteiligen. "Dies ist ein dringender Aufruf zum Handeln, um die nächste Katastrophe zu verhindern", sagte der Präsident. In jedem Land erfordere dies "sehr entschlossene und harte Maßnahmen sowie starke Führung".
Neuer "Aufstand der Anständigen"
Auch der Zentralrat der Juden in Deutschland hofft auf mehr Widerspruch und Einsatz gegen Antisemitismus. "Es braucht einen neuen 'Aufstand der Anständigen'", sagte Zentralratspräsident Josef Schuster der Deutschen Presse-Agentur. Er bezog sich auf eine Forderung des damaligen Kanzlers Gerhard Schröder und des damaligen Zentralratspräsidenten Paul Spiegel nach einem Brandanschlag auf eine Düsseldorfer Synagoge im Jahr 2000.
Zwar sei die Sicherheitslage für Juden in Deutschland vergleichsweise gut, so Schuster. "Das Problem ist im Kern ein anderes: Wir haben beim Antisemitismus einen Grad der Gewöhnung erreicht, der so hoch ist, dass politische Maßnahmen sich häufig im Schutz jüdischen Lebens erschöpfen."
fab/wa (afp, rtr, dpa)