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LiteraturDeutschland

Georg-Büchner-Preis 2026 geht an Christine Wunnicke

9. Juli 2026

In ihren historischen Romanen wirft Christine Wunnicke einen entlarvenden Blick auf die europäische Wissenschafts- und Kolonialgeschichte. Dafür erhält sie den wichtigsten deutschen Literaturpreis.

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Christine Wunnicke schaut in die Kamera
Preisträgerin des Georg-Büchner-Preises 2026: Christine WunnickeBild: Arne Dedert/dpa/picture alliance

Die Schriftstellerin Christine Wunnicke ist Georg-Büchner-Preisträgerin 2026. Das teilte die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt mit. Wunnicke ist für ihre historischen Kurzromane bekannt, in deren Mittelpunkt oftmals Randfiguren der Geschichte stehen, die von einem starken Wissensdrang geprägt sind. 

In ihrer Begründung lobt die Jury Wunnicke "für ihr stets überraschendes und souverän konzipiertes Erzählwerk, das an so unterschiedlichen Schauplätzen wie Hollywood, Nagasaki oder Paris angesiedelt ist." Die Verblüffungskraft dieses Œuvres, so heißt es weiter, beeindrucke die Leserinnen und Leser, die mit jedem Buch in eine neue faszinierende Auseinandersetzung zwischen Fakt und Erfindung verwickelt würden. "Christine Wunnickes brillante Kunst macht im vermeintlich Historischen das Fiktionale sichtbar und ermöglicht so einen entlarvenden Blick auf die europäische Wissenschafts- und Kolonialgeschichte, ohne dabei die Empathie für ihre Figuren zu verleugnen", erklärt die Jury, und hebt Wunnickes subtilen Sprachwitz hervor.

Die Preisverleihung soll nach Angaben einer Sprecherin der Akademie am 24. Oktober im Staatstheater in Darmstadt stattfinden.

Eine Frau in roter Bluse sitzt vor einem Mikrofon, im Hintergrund ein roter Vorhang.
Vielfach ausgezeichnet: Christine Wunnicke (2021)Bild: Johannes Simon/SZ Photo/picture alliance

Christine Wunnicke, geboren 1966 in München, studierte Linguistik, Altgermanistik und Psychologie in Berlin und Glasgow. Heute lebt sie in München und Berlin. 1998 erschien mit "Fortescues Fabrik" ihr erster Roman. Seitdem erzählt die vielfach ausgezeichnete Autorin über außergewöhnliche, historisch verbürgte Figuren und Wissenswelten des 17. bis 19. Jahrhunderts. 2020 erschien "Die Dame mit der bemalten Hand", ihr bisher erfolgreichstes Werk. Im Mittelpunkt stehen der Mathematiker Carsten Niebuhr und der persische Astrolabienbauer Musa, die sich - beide auf einer Insel gestrandet - über Sprach- und Kulturgrenzen hinweg zu verständigen versuchen. Der Roman wurde mit dem Wilhelm Raabe-Literaturpreis ausgezeichnet und stand auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises. .

In Wunnickes jüngstem Roman, "Wachs" (2025), geht es um ein 13-jähriges Mädchen, das unbedingt Leichen kaufen will, um Anatomin zu werden. Ort der Handlung ist das Frankreich des 18. Jahrhunderts. Mit "Wachs" stand Wunnicke erneut auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises. Im selben Jahr wurde sie mit dem Jean-Paul-Preis für ihr Gesamtwerk gewürdigt.

Der seit 1951 vergebene und mit 50.000 Euro dotierte Georg-Büchner-Preis gilt als die wichtigste literarische Auszeichnung im deutschsprachigen Raum. Die Akademie vergibt ihn an Schriftstellerinnen und Schriftsteller, die in deutscher Sprache schreiben. Die Preisträger müssen "durch ihre Arbeiten und Werke in besonderem Maße hervortreten" und "an der Gestaltung des gegenwärtigen deutschen Kulturlebens wesentlichen Anteil haben", heißt es in der Satzung. Der Preis wird vom Bund, dem Land Hessen und der Stadt Darmstadt finanziert. Namensgeber ist der in Darmstadt aufgewachsene Dramatiker und Revolutionär Georg Büchner (1813-1837). Im vergangenen Jahr wurde Ursula Krechel geehrt.

Weitere Träger der Auszeichnung waren unter anderen Gottfried Benn, Max Frisch, Hans Magnus Enzenzberger, Ingeborg Bachmann, Heinrich Böll, Thomas Bernhard, Christa Wolf, Erich Fried, Wilhelm Genazino, Felicitas Hoppe und Terézia Mora. Der Preis wird vom Bund, dem Land Hessen und der Stadt Darmstadt finanziert.

ka/suc (dpa, deutscheakademie.de)