Iran verweigert neue Gespräche nach US-Angriff auf Frachter
20. April 2026
Der Iran hat nach Meldungen staatlicher Medien derzeit nicht die Absicht, mit den USA in einer zweiten Runde über ein Friedensabkommen zu verhandeln. Außenamtssprecher Ismail Baghai sagte bei einer Pressekonferenz in der Hauptstadt Teheran, eine weitere Verhandlungsrunde sei aktuell nicht geplant.
Die Staatsagentur IRNA berichtet, es gebe "keine aussichtsreiche Perspektive für seriöse" Gespräche. Zur Begründung verweist das Mullah-Regime demnach auf "übertriebene Forderungen" der USA, deren ständige Kurswechsel und die anhaltende Seeblockade iranischer Häfen durch die US-Marine.
"Iraner befürchten Überraschungsangriff"
Nach Informationen des US-Nachrichtenportals Axios argwöhnen hohe Beamte im Iran, dass US-Präsident Donald Trump mit seinen Worten über ein Abkommen zwischen beiden Seiten die Führung in Teheran täuschen wolle. Sie befürchteten einen Überraschungsangriff der USA, schreibt Axios.
Pakistan, das als Vermittler zwischen den Konfliktparteien fungiert, trieb in den vergangenen Tagen die Bemühungen um weitere Gespräche zwischen beiden Seiten voran. Der iranische Präsident Massud Peseschkian betonte laut seiner Internetseite in einem Telefonat mit dem pakistanischen Premierminister Shehbaz Sharif, die "fortgesetzten provokanten und illegalen Handlungen der USA" im Rahmen der Seeblockade gegen den Iran stellten einen klaren Verstoß gegen die Waffenruhe dar. Diese läuft in der Nacht zum Mittwoch aus. Solche Maßnahmen und Trumps Drohungen vertieften das Misstrauen.
Der Iran werde sich gegen "erneutes Abenteurertum" der USA und Israels konsequent verteidigen, sagte Peseschkian.
Irans Präsident wirbt für Diplomatie
Ungeachtet des großen Misstrauens gegenüber den USA plädiert der iranische Präsident für Wege der Diplomatie. Krieg sei für niemanden von Vorteil, sagte Peseschkian laut der Nachrichtenagentur IRNA bei einer Sitzung in Teheran. "Während man gleichzeitig gegenüber Bedrohungen standhaft bleibt, muss man jeden rationalen und diplomatischen Weg nutzen, um Spannungen zu reduzieren", so der Präsident.
Peseschkian wird im Westen als verhältnismäßig moderater Politiker eingestuft. Seine Macht im Iran gilt jedoch als sehr begrenzt.
Trump schickt US-Delegation nach Islamabad
Donald Trump hatte zuvor mitgeteilt, eine US-Delegation mit Vizepräsident JD Vance an der Spitze werde an diesem Montag zu neuen Verhandlungen mit dem Iran in Pakistans Hauptstadt Islamabad eintreffen. Der Führung in Teheran werde ein "vernünftiger Deal" angeboten, so der amerikanische Präsident in seinem Onlinedienst Truth Social. Falls das Regime dies aber ablehnen sollte, würden die USA "jedes Kraftwerk und jede Brücke im Iran" zerstören.
Neben Pakistan bemühen sich auch Vertreter Ägyptens und der Türkei um eine dauerhafte Friedenslösung für die Nahost-Region. Die Anstrengungen werden jedoch durch die angespannte Lage an der Straße von Hormus am Persischen Golf erschwert.
US-Kriegsschiff beschießt iranischen Frachter
Das US-Militär hatte am Sonntag mitgeteilt, es habe auf einen unter iranischer Flagge fahrenden Frachter geschossen, als dieser versucht habe, die Seeblockade zu durchbrechen. Laut US-Regionalkommando CENTCOM war das Schiff auf dem Weg in die iranische Küstenstadt Bandar Abbas in der Straße von Hormus. Man habe den Antrieb funktionsunfähig gemacht. Der Frachter stehe unter US-Kontrolle, hieß es weiter.
Trump verkündete auf seiner Plattform: "Wir haben ihr Schiff vollständig in unserer Gewalt und sehen nach, was an Bord ist!"
Iran: Bewaffnete Seepiraterie
Ein iranischer Militärvertreter sprach von "bewaffneter Seepiraterie", wie der regierungstreue Sender Press TV meldete. Man werde bald Vergeltungsmaßnahmen ergreifen. Der Frachter sei von China aus unterwegs gewesen.
Es ist das erste Mal seit Beginn der amerikanischen Seeblockade gewesen, dass ein US-Kriegsschiff Gewalt angewendet hat, um ein iranisches Schiff zu stoppen.
Ungeachtet dessen scheint sich Pakistan auf eine zweite Verhandlungsrunde zwischen den USA und dem Iran vorzubereiten. In Islamabad wurden der Verkehr eingeschränkt und ein Hotel als Tagungsort vorbereitet. Die Sicherheitsvorkehrungen wurden verschärft.
Der Krieg begann am 28. Februar mit US-israelischen Luftangriffen auf Ziele im Iran. Die iranischen Streitkräfte beschossen daraufhin Ziele in Israel und in Golfstaaten. Der Konflikt schlägt sich massiv auf die weltweite Energieversorgung aus. Die Preise für Bezin und Diesel stiegen drastisch an.
se/AR (dpa, afp, rtr, ap)