Korea: Traditionelles Ringen vor dem Aus?
Trotz Südkoreas wachsender kultureller Präsenz in Musik, Film und Fernsehen bleibt eine traditionelle Sportart weitgehend unbeachtet: Ssireum, das koreanische Ringen. Dabei ist der Sport sogar UNESCO Weltkulturerbe.

Kampfsport unter Druck
Ssireum ist eine traditionelle südkoreanische Art des Ringens; ausgesprochen wird es wie englisch: "see room". Seine Blütezeit lag in den 1980er bis 1990er Jahren. Es gab bis zu acht professionelle Teams in Südkorea - die besten Ringer wurden zu Stars. Heute ringt der traditionsreiche Sport um Aufmerksamkeit in der koreanischen Gesellschaft und gerät durch sinkende Budgets weiter unter Druck.
Wettkampf für Nachwuchstalente
Lee Eun-soo ist seit seinem neunten Lebensjahr leidenschaftlicher Ssireum-Ringer. Dieses Jahr nimmt er am Wettkampf zum chinesischen Neujahr teil. "Ich habe einmal versucht, mir mein Leben vorzustellen, wenn ich nicht mit Ssireum angefangen hätte", sagte der 20‑Jährige. Dennoch: An seiner ehemaligen Schule gibt es zurzeit keine neuen Ringer, und es steht im Raum, das Team der Schule aufzugeben.
Koreas Ringsport mit Geschichte
Von den Rängen einer Sporthalle aus verfolgt ein Zuschauer gespannt die Wettkämpfe. Die südkoreanische Kampfsportart Ssireum blickt auf eine 1500 Jahre alte Tradition zurück. In einem acht Meter großen Sandring stehen sich zwei Ringer gegenüber, greifen den "Satba"-Gürtel und versuchen mit Kraft, Gleichgewicht, Timing und Ausdauer, den Gegner zu Boden zu zwingen.
Fieberhaftes Finale
Die Zuschauer feuern die Sportler beim Neujahrsturnier begeistert an. Lee Tae-hyun, ehemaliger Ssireum-Ringer und Professor für Kampfkunst, ist überzeugt, dass der Sport mit der richtigen Förderung kommerzielles Potenzial hat. Vorbild könnte das japanische Sumo sein, das durch professionelle Ranglisten und große nationale Turniere unterstützt wird.
Ssireum ist UNESCO Weltkulturerbe
Im Jahr 2018 wurde die Sportart in die Liste des immateriellen Weltkulturerbes der UNESCO aufgenommen. Die internationale Anerkennung hat sich jedoch kaum auf eine größere Bekanntheit innerhalb Südkoreas ausgewirkt. Viele würden den Sport kaum kennen, meint Lee Hye-soo, eine junge Besucherin der Wettkämpfe. Sie habe den Sport durch ihren Großvater kennengelernt, der damals ein großer Fan war.
Sportart in der Nische
Mit leuchtenden Wimpeln feuert das Publikum die Ringer beim Wettkampf in der Sporthalle eines Gymnasiums an. "Sport ist etwas, das die Leute nicht anschauen, wenn sie die Ringer oder sogar den Sport selbst nicht kennen", sagt Experte Lee Tae-hyun. Er setzt sich unermüdlich im In- und Ausland für das koreanische Ringen ein.
Zwischen Trends und Tradition
Nachwuchstalent Lee Eun-soo schafft es im Wettkampf bis ins Finale, muss dann aber eine Niederlage einstecken. Südkoreas Einfluss auf globale kulturelle Trends wächst weiter. Fans und Sportler wünschen sich auch für die jahrtausendealte Tradition Ssireum mehr Aufmerksamkeit und Anerkennung. "Ich denke, es wäre noch besser, wenn es bekannter würde", bekräftigt Lee Hye-soo.