Mexiko: Massive Proteste zum WM-Auftakt
Furore statt Fußballfieber: Zum Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft der Männer protestieren in Mexiko Angehörige von Vermissten, Frauenkollektive und die Lehrergewerkschaft.

Protest statt Party
Die Gunst der Stunde nutzen: Zur Fußball-Weltmeisterschaft, die neben Kanada und den USA auch in Mexiko ausgetragen wird, blickt die Welt auf das lateinamerikanische Land. Verschiedene Gruppierungen nutzen das Interesse, um auf politische und gesellschaftliche Missstände aufmerksam zu machen: Seit Wochen kommt es landesweit immer wieder zu Blockaden und teils gewalttätigen Demonstrationen.
Protestierende Pädagogen
Am Dienstag hatten Mitglieder der Lehrergewerkschaft CNTE den Haupt-Zugang zum Azteken-Stadion in Mexiko-Stadt blockiert, in dem das Eröffnungsspiel der WM stattfand. Die Pädagogen kritisieren, dass für die Großveranstaltung Geld da ist, für sie aber nicht. Präsidentin Claudia Sheinbaum lehnt ein hartes Vorgehen gegen die Protestierenden ab, kritisiert jedoch die "Provokation".
Ausschreitungen zum Antrittsspiel
In Folge der Proteste richtete die Polizei eine Sicherheitszone ein, die nur von Menschen mit gültigem WM-Ticket betreten werden darf. Ein massives Polizeiaufgebot riegelt das Azteken-Stadion und die Fanmeile auf dem Zócalo ab, dem Hauptplatz von Mexiko-Stadt. Den Protest kann das nicht aufhalten: Immer wieder versuchen Demonstrierende, die Absperrungen zu durchbrechen.
Gestürzte Statuen
Bereits vergangene Woche machten die protestierenden Lehrkräfte Schlagzeilen, nachdem sie riesige Fußballer-Statuen in der Hauptstadt mit Seilen zu Boden gezogen und sie teilweise in Brand gesetzt hatten. Die Pädagogen fordern bessere Arbeitsbedingungen, die Aufhebung einer kontroversen Rentenreform und deutlich höhere Gehälter.
Kundgebung gegen die Kartelle
Nicht nur die Lehrer protestieren: Zum WM-Auftakt verlangten Verwandte von Verschwundenen im Rahmen eines Protestzuges eine zügigere Aufklärung und Gerechtigkeit für ihre Angehörigen. Mehr als 130.000 Menschen gelten in Mexiko als verschwunden. Es wird angenommen, dass ein großer Teil von ihnen der organisierten Kriminalität zum Opfer gefallen ist.
Fokus auf Femizide
Aktivistinnen tragen Bilder verschwundener Frauen auf die Fanmeilen: Sie nutzen das Sport-Großereignis, um die Gewalt gegen Frauen im Land anzuprangern. Laut offiziellen Statistiken werden zehn bis elf Frauen pro Tag in Mexiko ermordet, Tausende verschwinden spurlos - entweder, um Frauenmorde zu vertuschen oder weil die Opfer die in die Prostitution gezwungen werden.
Wut auf die WM
Rund 90 Prozent aller Femizide werden von den mexikanischen Behörden nie aufgeklärt: Die Justiz gilt als überfordert, inkompetent und korrupt. Die weitverbreitete Straflosigkeit befördert die Gewalt gegen Frauen zusätzlich. Dennoch versucht Mexiko, sich für die WM als sicher und modern zu präsentieren - für die Protestierenden eine Provokation, während ihre Angehörigen weiterhin vermisst werden.
Blumen-Bambule
Die Protestaktionen führen landesweit zu Störungen: So wurde ein Flughafen im Bundesstaat Chiapas teilweise von demonstrierenden Lehrern blockiert, in Tijuana versperrten Protestierende einen Grenzübergang in die USA. Sowohl Lehrkräfte als auch die Angehörigen von Vermissten wollen ihre Proteste während der WM fortsetzen.