Sudan: Führt internationaler Druck zum Waffenstillstand?
1. Dezember 2025
Das Europäische Parlament fand ungewöhnlich scharfe Worte für die Eskalation des Krieges und die humanitäre Katastrophe im Sudan. In einer von den Abgeordneten verabschiedeten Resolution werden schwere Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht und gegen die Menschenrechte angeprangert, die sowohl von den paramilitärischen Support Forces (RSF) als auch von den sudanesischen Streitkräften (SAF) begangen würden. Dies könne als Völkermord gelten, heißt es in der Entschließung.
Das Parlament brachte auch das Freihandelsabkommen mit den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) zur Sprache, weil europäische Waffen möglicherweise über Abu Dhabi an die paramilitärischen RSF weiterverkauft werden. Die VAE gelten weithin als Hauptunterstützer der Miliz, was die Regierung der Emirate jedoch vehement bestreitet.
Nach zweieinhalb Jahren erbitterter Kämpfe und angesichts der zunehmenden internationalen Aufmerksamkeit für den Sudan stellt sich die Frage, ob und wie sehr die Kriegsparteien zu einer Einigung bereit sind.
Was wurde aus den jüngsten Waffenstillstandsvorschlägen?
Der Bürgerkrieg im Sudan begann Mitte April 2023, infolge eines Machtkampfs zwischen den Generälen der RSF und der SAF. Dabei ging es um die Integration paramilitärischer Kämpfer in die staatlichen Streitkräfte. Alle diplomatischen Bemühungen zur Beendigung der Kämpfe blieben bisher erfolglos, doch nun könnte es neue Impulse geben.
Ausgangspunkt sind die verstärkten internationalen Bemühungen, die zuletzt von US-Präsident Donald Trump und Vermittlern der "Quad" - bestehend aus Vertretern der Vereinigten Staaten, Ägyptens, der Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabiens - vorangetrieben werden. Darauf reagierte Anfang vergangener Woche der Chef der RSF, General Mohammed Hamdan Dagalo, der eine "sofortige Einstellung der Feindseligkeiten" in Form eines "einseitigen Waffenstillstands" ankündigte. Doch nur einen Tag später meldete die SAF, sie habe einen Angriff der RSF auf eine Infanteriebasis in West-Kordofan abgewehrt.
Beide Seiten lehnten auch einen kürzlich von den USA unterstützten Waffenstillstandsplan ab, der auf einem Vorschlag der Quad vom September beruht. Dieser sieht eine dreimonatige humanitäre Waffenruhe vor, gefolgt von einem Waffenstillstand und einem politischen Übergangsprozess zur Bildung einer zivil geführten Regierung, die alle Kriegsparteien ausschließt.
SAF-General Abdel-Fattah Burhan bezeichnete den Vorschlag in einer Videoerklärung als "inakzeptabel" und "den bisher schlechtesten". Ohne ins Detail zu gehen, behauptete er auch, der Vorschlag bilde die Sichtweise der Emirate ab.
Welche Rolle spielen die Vereinigten Arabischen Emirate im Sudan?
Die Vereinigten Arabischen Emirate gelten weithin als wichtigster Unterstützer der RSF, obwohl Abu Dhabi dies bestreitet. Nach Erkenntnissen von Expertengremien der Vereinten Nationen und verschiedener Menschenrechtsorganisationen erhält die RSF Waffen und Munition aus den VAE. Auch wenn die Emirate diese Vorwürfe offiziell zurückweisen, stehen sie dennoch unter zunehmendem diplomatischem, politischem und öffentlichem Druck, ihre Unterstützung für die RSF einzustellen.
"Ohne die regionale Deckung und militärische Unterstützung der VAE würde die RSF tatsächlich unter Druck gesetzt werden, eine Einigung zu erzielen und ihre Waffen niederzulegen", sagte Yasir Zeidan, ein sudanesischer Militäranalyst, auf DW-Anfrage.
Diese Ansicht teilt auch Amgad Fareid Eltayeb, Geschäftsführer des sudanesischen Thinktanks Fikr for Studies and Development. Jeder Versuch, einen dauerhaften Waffenstillstand zu vermitteln, müsse die zentrale Rolle der Emirate berücksichtigen: "Würden die VAE nicht durch öffentliche Enthüllungen, Druck aus dem Kongress, durch Sanktionen oder finanzielle Kontrollen zur Rechenschaft gezogen, bestünde die Gefahr, dass jede Zusage der RSF reine Propaganda bleibt und nicht zu einer Einschränkung ihrer Operationen führt", sagte er der DW.
Warum kämpfen beide Seiten weiter?
Der anhaltende Bürgerkrieg hat das ressourcenreiche Land an den Rand einer erneuten Teilung gebracht. Während die paramilitärische RSF den größten Teil der westlichen Region Darfur und Teile des Südens kontrolliert, kontrolliert die Regierungsarmee SAF den größten Teil des Zentrums, Nordens und Ostens des Landes.
Im März gründeten die RSF und verbündete bewaffnete Gruppen die Sudan Founding Alliance (TASIS) mit dem Ziel, eine Regierung zu bilden. Die SAF lehnt die Anerkennung der RSF als juristische Person ab, und beide Seiten beanspruchen die Kontrolle über das gesamte Land. In dieser Gemengelage halten es Experten für unwahrscheinlich, dass eine der beiden Seiten bald nachgeben könnte.
"Die Zustimmung der RSF zum jüngsten Waffenstillstandsvorschlag ist eine taktische Maßnahme", sagte Leena Badri, eine in London ansässige sudanesische Politikwissenschaftlerin, der DW. "Es ist ein Versuch, sich als regierungsfähige Einheit zu positionieren und ein Gefühl der Legitimität zu schaffen. Das ist ihr Hauptziel, seit sie eine eigene Parallelregierung erschaffen hat", sagte sie.
Die SAF hingegen habe wiederholt ihre eigene Rolle als souveräner staatlicher Akteur im Kampf gegen ausländisch unterstützte Milizen betont, erklärte Badri im DW-Gespräch und fügte hinzu: "Aus diesem Grund sehen sie einen Waffenstillstand oder einen politischen Prozess nicht als Chance, ihre Legitimität zu stärken."
Die Leiden der Zivilbevölkerung
Wegen schwerer Gräueltaten in der Darfur-Regionalhauptstadt al Faschir steht die RSF zunehmend im Fokus der internationalen und öffentlichen Aufmerksamkeit. Hochauflösende Satellitenbilder zeigen, wie RSF-Kämpfer in der Stadt, die sie nach 18-monatiger Belagerung eingenommen hatten, von Tür zu Tür gingen und Zivilisten töteten. Wem die Flucht aus al Faschir gelang, berichtete von weit verbreiteter Gewalt, von Hunger als Waffe und gezielten sexuellen Übergriffen.
Der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) untersucht die gemeldeten Gräueltaten. Sollten sich solche Handlungen bestätigen, könne es sich um Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit handeln, heißt es in Den Haag. Nach Angaben des RFS-Anführers Hamdan Dagalo können nur wenige Personen für die massenhafte Gewalt gegen Zivilisten verantwortlich sein. Zudem würden sie zur Rechenschaft gezogen. Solche Erklärungen gehörten zu den strategischen Zielen der RSF, sagt Analyst Badri.
Menschenrechtsorganisationen und die Vereinten Nationen sind weiterhin in größter Sorge um die vielen tausend Zivilisten, die sich weiterhin in al Faschir aufhalten. Eine direkte Kommunikation ist nach wie vor fast unmöglich, da die RSF den Zugang zu Mobilfunkdiensten streng kontrolliert.
Jan Sebastian Friedrich-Rust, Geschäftsführer der deutschen Sektion der Nichtregierungsorganisation "Aktion gegen den Hunger", berichtete der DW am Mittwoch aus einer ländlichen Gemeinde in Zentral-Darfur, etwa 100 Kilometer von al Faschir entfernt. Dort gebe es nur "einen Arzt mit drei Gesundheitsassistenten für eine Gemeinde von 25.000 Menschen". Etwa 200 Kinder in der Region litten an lebensbedrohlicher Unterernährung. "30 Millionen Sudanesen sind auf humanitäre Hilfe angewiesen, aber nur jeder Zehnte kann erreicht werden. Die humanitären Mittel aus Deutschland und anderen Geberländern reichen bei weitem nicht aus", sagte Friedrich-Rust der DW.
Durch den Krieg wurde der Sudan laut dem International Rescue Committee und anderen globalen Organisationen in die größte humanitäre und Vertreibungskrise gestürzt, die jemals weltweit verzeichnet wurde. Etwa 14 Millionen Menschen sind innerhalb und jenseits des Sudans auf der Flucht. Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) schätzt, dass mindestens 21 Millionen Menschen unter akuter Ernährungsunsicherheit leiden. In zwei Städten, darunter al Faschir, herrscht der Hunger. Seit April 2023 wurden mindestens 49.800 Todesfälle registriert. Einige humanitäre Organisationen befürchten jedoch weit mehr Todesopfer und sehen die Mindestzahl bei 200.000.
Dieser Artikel wurde aus dem Englischen adaptiert