Südafrikas Minenarbeiter kämpfen ums Überleben
In Südafrikas Kohlehochburg riskieren "illegale Bergleute" täglich ihr Leben. Während das Land den Ausstieg aus der Kohle plant, kämpfen sie um Arbeit, Anerkennung und einen Platz bei einer gerechten Energiewende.

Zerplatzte Träume
In einer illegalen Mine nahe Ermelo, tief im Kohleherz Südafrikas, hallen die Schläge der Spitzhacken durch enge, dunkle Stollen. Einer der Männer, der sich "Cyprial" nennt, wollte einst Anwalt werden. Doch hier unten, zwischen schwarzem Fels und stickiger Luft, wirkt dieser Traum weit entfernt.
Schweißtreibende Schufterei
Das Poltern der Schubkarren hallt durch die engen Gänge, in denen er und Dutzende andere seit dem Morgengrauen arbeiten. Die schwachen Lampen an ihren Helmen erhellen die Dunkelheit kaum. Manche schleppen Lasten von bis zu hundert Kilo durch das Labyrinth der Stollen - hinauf zu den Lastwagen, die die Kohle an informelle Händler im nahegelegenen Ermelo liefern.
Tägliches Risiko
Nur ein paar Baumstämme stützen den Fels über dem Eingang - ein schlichtes Loch in der Böschung eines Hügels, wo einst ein Bergbauunternehmen tätig war. Der Hügel ist ein Überbleibsel früherer Kohleförderung - ein sichtbares Mahnmal jahrzehntelanger Ausbeutung. Südafrika zählt zu den größten Kohleproduzenten der Welt; rund 80 Prozent seines Stroms stammen aus dem fossilen Brennstoff.
Junge Menschen nehmen Gefahr in Kauf
"Unter Tage ist es so dunkel, dass du nicht einmal deine Finger erkennst", sagt "Cyprial". Er hat Angst, dass die Mine eines Tages einstürzt. "Die Hälfte der Jugendlichen aus Ermelo arbeitet hier", erzählt er. In Mpumalanga, der südafrikanischen Provinz im Nordosten, beträgt die Arbeitslosigkeit laut aktuellen Regierungszahlen 34 Prozent - und liegt damit klar über dem Landesdurchschnitt.
Leben ohne Strom
Obwohl die Kohle aus der Gegend von Ermelo Städte im In- und Ausland mit Strom versorgt, leben viele Menschen in Hütten ohne Strom. Die Regierung bezeichnet Arbeiter wie "Cyprial" als "illegale Bergleute". Sie selbst sprechen von "artisanal mining", also handwerklichem Bergbau, und betonen, ihre Arbeit sei - auch wenn sie nicht offiziell genehmigt ist - wichtig für die lokale Gemeinschaft.
Kohle statt Elektrizität
Der von der formellen Kohleindustrie erzeugte Strom sei vielen Einheimischen schlicht zu teuer, so Jabulani Sibiya, Vorsitzender der unabhängigen Bergarbeiter-Gewerkschaft in Ermelo. "Das ist nicht fair". Daher greifen viele Menschen in der Region beim Kochen auf einen Kohleofen zurück.
Hoffnung auf eine Lösung
Die Minenarbeiter aus Ermelo haben einen Antrag auf eine gemeinsame Bergbaugenehmigung gestellt. Doch der Prozess sei teuer und langwierig, sagt Zethu Hlatshwayo, Sprecher der National Association of Artisanal Miners. Man brauche Land, Genehmigungen und Umweltfreigaben, erklärt er. Außerdem müsse ein Rehabilitationsfonds bereitstehen, um das Gelände nach dem Abbau wieder instand zu setzen.
Der Wunsch nach gerechter Energiewende
Hlatshwayo sagt, eine faire Energiewende müsse auch der breiten Bevölkerung Zugang zu Südafrikas Bodenschätzen verschaffen. Nur so ließen sich Ungerechtigkeiten aus der Apartheid korrigieren, als der profitabelste Bergbau fast ausschließlich Weißen vorbehalten war. Sein Ziel: weg vom zerstörerischen Großbergbau, hin zu einem kleineren, nachhaltigeren Bergbau, der Gemeinden einbezieht.
Wohin geht die Reise?
Südafrika beginnt langsam, sich von der Kohle zu lösen. Der Wandel wurde durch das 8,5-Milliarden-Dollar-Abkommen für eine gerechte Energiewende angestoßen, das 2021 auf der COP26 vereinbart wurde. Doch viele Gemeinden in den Bergbauregionen fürchten, erneut abgehängt zu werden - so wie schon während der Jahrzehnte, in denen sie kaum vom Kohleabbau profitiert haben.