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KonflikteAfrika

Wie kritische Rohstoffe Instabilität in Afrika schüren

Ana Munoz Padros | Jean-Michel Bos
19. September 2025

Ob durch die Vertreibung von Anwohnern oder durch bewaffnete Konflikte - der Abbau kritischer Rohstoffe fördert die Instabilität in Afrika. Die DW zeigt, wo diese Rohstoffe gefördert werden - und zu welchem Preis.

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Arbeiter an einem Hang; im Vordergrund schaufelt ein Mann weißes Pulver
Bergleute bei der Arbeit an einer Coltan-Mine in der von Rebellen kontrollierten Stadt Rubaya in der Demokratischen Republik KongoBild: Zheng Yangzi/Xinhua News Agency/picture alliance

Ohne Afrika würde die weltweite Energiewende kaum vorankommen: Kritische Rohstoffe werden in 31 der 54 afrikanischen Länder abgebaut. Südafrika, Nigeria und Marokko verfügen über die größte Vielfalt an Vorkommen, während Guinea gemessen an der Fördermenge führend ist.

Der weltweite Wettlauf um diese Ressourcen könnte für viele afrikanische Staaten äußerst lukrativ sein. Doch in vielen Regionen bringen kritische Rohstoffe eher Unsicherheit als Stabilität. Als Gründe gelten fehlende einheitliche Arbeits- und Umweltstandards sowie mangelnde länderübergreifende Zusammenarbeit.

"Wenn wir heute ein regionales Abkommen zur Rohstoffförderung hätten, könnte das ein stabilisierender Faktor sein", sagt Jimmy Munguriek, Jurist und Landesdirektor der NGO Resource Matters in der Demokratischen Republik Kongo. "Andernfalls können Rohstoffe auch politische Instabilität verursachen - zum Beispiel steht der Konflikt zwischen Ruanda und der DR Kongo in Zusammenhang mit dem Coltan-Abbau."

Coltan in der DR Kongo: Ausbeutung und Schmuggel

Tatsächlich trägt der Streit um die Kontrolle der reichen Coltan-Vorkommen in der DR Kongo seit drei Jahrzehnten zur Instabilität im Osten des Landes bei. Aus Coltan wird das hochleitfähige Metall Tantal gewonnen. Gemeinsam mit Zinn und Wolfram zählt Tantal zu den sogenannten 3T-Metallen, die in Konsumelektronik wie Laptops und Smartphones, aber auch in der Medizintechnik, Luft- und Raumfahrt sowie der Rüstungsindustrie eingesetzt werden.

Der Raubbau dieser Rohstoffe hat einen wirtschaftlichen Anreiz für den Aufstand geschaffen, der die Region seit Jahren in Atem hält. Weite Teile des Ostkongo stehen inzwischen unter Kontrolle der Kongo-Fluss-Allianz (AFC), einem Zusammenschluss bewaffneter Gruppen unter Führung der Miliz M23. Unterstützt wird die AFC maßgeblich von Ruanda. Auf der anderen Seite hat die Regierung in Kinshasa den Kampf um die Rückeroberung der Minen und gegen den Schmuggel zur Priorität erklärt.

Im April 2024 übernahmen AFC-Kräfte die Kontrolle über die Mine in Rubaya - einem Standort, aus dem 20 bis 30 Prozent der weltweiten Coltan-Produktion stammen und der somit essenziell für die globale Versorgung ist.

Die AFC errichtete eine Parallelverwaltung und kontrolliert die Provinzhauptstädte Goma in Nordkivu und Bukavu in Südkivu. Laut einem UN-Forschungsbericht aus dem ersten Halbjahr 2025 war Erasto Bahati - von der AFC ernannter Gouverneur von Nordkivu - "die Schlüsselfigur hinter der illegalen Ausbeutung und dem Schmuggel" seit der Einnahme von Rubaya.

Monatlich werden schätzungsweise mindestens 150 Tonnen Coltan in Rubaya abgebaut und anschließend illegal nach Ruanda exportiert, wo der geschmuggelte Rohstoff mit inländischem Coltan vermischt wird. Dieser Vorgang gefährdet die Rückverfolgbarkeit innerhalb der International Tin Supply Chain Initiative (ITSCI), einem internationalen Abkommen, das einen "verantwortungsvolleren" Rohstoffhandel - zum Beispiel ohne Beteiligung bewaffneter Gruppen oder Kinderarbeit - sicherstellen soll.

Laut dem UN-Bericht stellt diese Entwicklung die "größte bekannte Vertuschung von Rohstofflieferketten in der Region der Großen Seen" dar.

Investoren wenden sich von der Sahelzone ab

In den westlichen Kernländern der Sahelzone Mali, Burkina Faso und Niger werden kritische Rohstoffe nur in geringem Umfang gefördert. In den vergangenen Jahren haben dort Militärregime die Macht übernommen, die Sicherheitslage ist sehr prekär.

Wagner-Söldner in Tarnkleidung stehen mit Gepäck an einem Hubschrauber
In den Sahel-Staaten (im Bild: Mali) sind seit den Militärputschen russische Söldner präsent - Berichten zufolge auch in einigen Goldminen. Das undatierte Foto wurde von der französischen Armee aufgenommen, die Mali 2022 verlassen hat.Bild: French Army/AP/picture alliance

"In manchen afrikanischen Ländern ändern sich Gesetze nach einem Regimewechsel einseitig und willkürlich", erklärt Munguriek. Für Unternehmen bedeutet das oft höhere Steuern oder eine einseitige Neuinterpretation bestehender Verträge.

Die Elfenbeinküste entwickelt sich daher zunehmend zum Zufluchtsort für Goldunternehmen, die vor der Unsicherheit im Sahel fliehen. Im Jahr 2023 förderte das Land über 50 Tonnen Gold - die Regierung will diese Menge bis 2030 verdoppeln. Gelingt dieses Vorhaben, könnte die Elfenbeinküste ihre nördlichen Nachbarn Burkina Faso und Mali überholen, deren Goldförderung seit den Putschen von 2021 und 2022 stagniert.

Neue Akteure im Markt für kritische Rohstoffe

Der Abbau von Gold und anderen kritischen Rohstoffen gewinnt in der Elfenbeinküste an Bedeutung. Das Land positioniert sich als wichtiger Exporteur von Mangan und Bauxit - als vertrauenswürdige Alternative, während die DR Kongo und Ruanda weiterhin die globale Coltan-Produktion dominieren.

Im Mai kündigte das britische Unternehmen Switch Metals die Erkundung eines Coltan-Vorkommens im Rahmen des Issia-Projekts im Zentrum des Landes an. Auch lokale Unternehmen wie BRI Coltan, mehrheitlich im Besitz von Firering Strategic Minerals, treiben Projekte voran – etwa eine neue Coltan-Aufbereitungsanlage. Die staatliche Bergbaugesellschaft SODEMI kooperiert mit dem chinesischen Unternehmen Jiangxi Asia-Africa Xinghua Minerals beim Aufbau einer neuen Coltan-Mine.

Zudem bauen Staaten wie Uganda, Tansania, Nigeria und andere Länder in Subsahara-Afrika gezielt ihre Produktion kritischer Rohstoffe wie Feldspat, Kupfer und Mangan aus.

"Für ein Erdöl-Land wie Nigeria könnten kritische Rohstoffe ein strategisches Instrument sein, um den Übergang zur Energiewende zu gestalten - nicht nur für die nationale Energiepolitik, sondern auch im globalen Kontext", sagt Munguriek.

Bergbau führt zu Vertreibungen

In Ländern mit längerer Tradition im Rohstoffabbau - etwa in der DR Kongo - verändert der industrielle Abbau zunehmend auch die umliegenden Bevölkerungszentren.

COMMUS, ein Joint Venture des chinesischen Konzerns Zijin Mining mit der staatlichen kongolesischen Gécamines, ist verantwortlich für den Bau eines neuen Stadtviertels in der rohstoffreichen Region um Kolwezi im Süden des Landes.

Zwei Hände schöpfen Plättchen eines silbrig glänzenden Metalls aus Eimern.
Die Erde unter Kolwezi ist reich an Kobalt - doch für die Bevölkerung bedeutet das Unsicherheit und Umsiedlung.Bild: picture-alliance / © Balance/Pho

Doch der Umzug der betroffenen Bevölkerung stockt. Sylvain Ilunga Muleka, Metallurgietechniker und Sprecher der örtlichen Umsiedlungsinitiative, berichtet von fast zehn Jahren Verzögerung beim Bau neuer Unterkünfte - etwa 30 Kilometer vom bisherigen Wohngebiet "Quartier Gécamines" entfernt. 2017 lebten dort noch 39.000 Menschen; heute sind es laut Pulitzer Center nur noch etwa 2000.

"Die Explosionen aus der Mine lassen unsere Wände erzittern", sagt Muleka. "Es ist wirklich gefährlich. Wir müssen den Umsiedlungsprozess dringend beschleunigen."

Dieser Artikel wurde aus dem Englischen adaptiert.

Weitere datenbasierte Recherchen finden Sie auf unserer Übersichtsseite.

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