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KlimaGlobal

COP30: Kommt der Fahrplan zum Ausstieg aus den Fossilen?

Holly Young (mit AP, AFP, Reuters)
19. November 2025

Auf der UN-Klimakonferenz COP30 in Brasilien wird eine "Roadmap" zum Ausstieg aus Öl, Kohle und Gas diskutiert. Doch noch fließen Milliarden in die Fossilindustrie und die Emissionen steigen. Ändert sich das jetzt?

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 Protest mit Särgen gegen Kohle, Öl und Gas
Eine breite Koalition von Ländern steht hinter einem Fahrplan für den Ausstieg aus Kohle, Öl und GasBild: Andre Penner/AP Photo/picture alliance

Bei der UN-Klimakonferenz in Belém keimt die Hoffnung, dass echte Fortschritte bei der Abkehr von Öl, Gas und Kohle in Reichweite sein könnten. 

Der Ausstieg aus den fossilen Energien ist eines von mehreren heiklen Themen; darunter sind auch die Aufstockung der Finanzmittel und der klimafreundliche Handel, die der Präsident der COP30, Andre Correa, auf die Agenda bringen will.

Für diesen Mittwoch (19.11.) erwartet er, dass die Länder eine Entscheidung über eine so genannte "Roadmap" (Fahrplan) für den Ausstieg aus Öl, Gas und Kohle treffen. Noch offene Fragen könnten am Freitag, dem offiziell letzten Verhandlungstag der Konferenz, gelöst werden.

Obwohl der Ausstieg aus den fossilen Energien ursprünglich nicht auf der offiziellen Tagesordnung der COP30 stand, hat das Thema in der vergangenen Woche an politischer Dynamik gewonnen.

Insgesamt 80 Länder wollen einen Fahrplan für den Ausstieg aus den Fossilen in die Abschlussvereinbarung des Gipfels aufnehmen. Unterstützung dafür kommt sowohl von reichen als auch von armen Ländern aus ganz Europa, Afrika, kleinen Inselstaaten und Lateinamerika, wie beispielsweise aus Kolumbien.

"Menschen auf der ganzen Welt mobilisieren sich massiv und fordern konkrete Maßnahmen für die Klimagerechtigkeit - und vor allem gegen eine weitere Förderung fossiler Brennstoffe", sagt die kolumbianische Umweltministerin Irene Vélez Torres. "Wir müssen hier mit der Forderung nach einem Fahrplan nach Hause gehen." Torres betont, dass ihr Land zwar Erdöl und Kohle produziere, aber keine neuen Verträge zur Ausbeutung weiterer Vorkommen vergebe. 

Rauch quillt aus Industrieschornsteinen und füllt den Himmel
Jedes Jahr fließen nach wie vor riesige Summen in die fossile BrennstoffindustrieBild: Christoph Hardt/Panama Pictures/picture alliance

Die Europäische Union als Ganzes hat sich noch nicht offiziell hinter den Fahrplan gestellt. Eine gemeinsame Position dazu würde die einstimmige Unterstützung der 27 Mitgliedstaaten erfordern.

Auf einer Pressekonferenz erklärte EU-Klimakommissar Wopke Hoekstra, die EU habe bereits Pläne, ihre eigene "Roadmap" in die Tat umzusetzen. Doch die EU-Länder seien aufgeschlossen, was die Formulierung eines globalen Fahrplans angehe, wenn dies mehr Länder dazu bringe, sich den Bemühungen anzuschließen. "Es kommt darauf an, ob wir das nur mit den Europäern und ein paar anderen machen oder ob wir es mit einer Supermajorität hinbekommen", sagte Hoekstra vor Reportern.

Auch Gastgeberland Brasilien unterstützt die Idee der "Roadmap" - obwohl der vom brasilianischen COP-Vorsitz in Umlauf gebrachte Entwurf des Abschlussdokuments dazu keine konkreten Vorschläge enthält, sondern den Fahrplan für den Fossil-Ausstieg lediglich als Option aufführt.

Warum ein Fahrplan zum Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas?

Erst vor zwei Jahren, nach heftigen Debatten und fast drei Jahrzehnten jährlicher Klimakonferenzen, einigten sich die Staaten auf der COP28 in Dubai endlich darauf, das Ende der fossilen Energien einzuläuten. Die bei der Verbrennung von Kohle, Öl und Gas entstehenden Treibhausgasemissionen sind für die Klimaerwärmung und die daraus vielfach folgenden Stürme, Überschwemmungen und Hitzewellen verantwortlich. 

Doch das Ende der Fossilen ist noch nicht in Sicht. Im Gegenteil: Die Emissionen werden 2025 einen neuen Rekord erreichen. Dabei sagt die Wissenschaft deutlich: Um eine Überhitzung und weitere verheerende Wetterextreme zu verhindern, muss die Welt auf saubere Energiequellen umsteigen.

Ein Fahrplan zur Beschleunigung eines Umstiegs auf die Erneuerbaren könnte Anhaltspunkte dafür geben, wie der Wechsel vollzogen werden kann. Doch aktuell fließen noch immer riesige Geldbeträge in die Fossilindustrie. Während einige große Öl- und Gasunternehmen langfristig einen Produktionsrückgang planen, geht der allgemeine Trend in Richtung einer kurzfristigen Steigerung der Förderung.

Und das wird durch enorme Investitionssummen gestützt. Jüngsten Untersuchungen zufolge ist die öffentliche Finanzierung fossiler Brennstoffe seit 2014 jährlich um 65 Milliarden auf insgesamt 1,4 Billionen Euro pro Jahr gestiegen.

Opposition und Optimismus beim Klimagipfel

Das Thema fossile Energien war auf den jährlichen Weltklimagipfeln schon immer politisch brisant. Und diejenigen, die diese Woche auf einen Fahrplan für den Ausstieg drängen, werden wahrscheinlich auf heftigen Widerstand stoßen - nicht zuletzt von den erdölproduzierenden Ländern wie Saudi-Arabien und dem Iran.

Brasilien erklärte, bislang gebe es in dieser Frage kein einheitliches Bild. So sei ein Vorschlag dazu bereits von mehreren Ländern abgelehnt worden. Dieser sah vor, dass alle Staaten Pläne vorlegen sollten, wie sie ihre Abhängigkeit von den Fossilen verringern wollen. 

COP30-Präsident Andre Correa do Lago bei der Eröffnungszeremonie der UN-Klimakonferenz
COP30-Präsident Andre Correa do Lago drängt in den letzten Tagen der Klimakonferenz auf ehrgeizige ZieleBild: Pablo Porciuncula/AFP


"China ist ein Land, das nicht öffentlich sagen wird, dass es aus den Fossilen aussteigen wird", meint Bin Hu, Honorarprofessor am Institut für Klimawandel und nachhaltige Entwicklung an der chinesischen Tsinghua-Universität im Gespräch mit der DW.

 "Denn China muss ein Gleichgewicht zwischen wirtschaftlicher Entwicklung, Energiesicherheit und der gleichzeitigen Bekämpfung des Klimawandels finden." So befürchteten bestimmte Regionen in China, dass der Übergang zu sauberer Energie zu mehr Arbeitslosigkeit führen könnte.

Und selbst einige Befürworter kritisieren den bisherigen Textentwurf für eine "Roadmap". Aktuell sei der Verweis auf einen Fahrplan für den Ausstieg nur "schwach und wird als Option dargestellt", so Tina Stege, Klimabeauftragte der tiefgelegenen Marshallinseln - einem Land, das durch den steigenden Meeresspiegel existenziell bedroht ist. "Er muss gestärkt und angenommen werden.

Marshallinseln Majuro
Tief liegende Inseln sind durch den Anstieg des Meeresspiegels infolge steigender Temperaturen besonders gefährdetBild: Nicole Evatt/AP/picture alliance

COP-Präsident Do Lago deutete an, die "Roadmap" könnte möglicherweise auch ohne einstimmige Unterstützung in die Abschlusserklärung des Gipfels aufgenommen werden. Denn die Idee der Abkehr von Kohle, Öl und Gas wurde bereits auf der Klimakonferenz vor zwei Jahren im Konsens angenommen.

Und so hoffen viele, dass der nächste Textentwurf eine deutlich stärkere Formulierung zum Fahrplan für den Ausstieg enthält. Schon jetzt scheint klar: Er dürfte einer der meistdiskutierten Punkte beim Endspurt des aktuellen Klimagipfels werden. 

Dieser Artikel wurde ursprünglich auf Englisch veröffentlicht.

Holly Young Holly Young ist Klimareporterin bei der DW Umweltredaktion in Berlin.@holly_young88