Eistauchen für die Klimaforschung
Die Eisdecke der Polarregionen schwindet. Im finnischen Kilpisjärvi-See trainieren Forschungstaucher unter dem Eis für arktische Expeditionen - ein Wettlauf gegen die Zeit.

Tauchen im eisigen Kilpisjärvi-See
Mit festem Griff ziehen Wissenschaftler eine Taucherin aus einem quadratischen Eisloch im finnischen Kilpisjärvi-See. Hier, im Dreiländereck zwischen Finnland, Schweden und Norwegen, trainieren zwölf Forscher aus aller Welt für wissenschaftliche Tauchgänge unter extremen arktischen Bedingungen.
Training in Eis und Schnee
Die Wissenschaftler arbeiten in der Biologischen Forschungsstation der Universität Helsinki am Fuße des Saana-Berges. Hier finden sie ein perfektes Trainingsgebiet für Tauchgänge unter dem Eis. Die Probenentnahme unter dem meterdicken Eis ist anspruchsvoll, nicht einmal 200 Forscher weltweit sind für diese Aufgaben qualifiziert.
Eishöhle unter Wasser
Die Arktis verändert sich durch die Erderwärmung rasant. Die Forscher wollen Proben und Daten sammeln, solange dies noch möglich ist. Für die Taucher bedeutet das Arbeit unter Extrembedingungen: Neoprenanzüge schützen sie vor der eisigen Kälte, während über ihnen eine massive Eisschicht lastet. "Sie begeben sich in eine Art Eishöhle unter Wasser", sagt Erik Wurz, der Koordinator des Programms.
Eistauchen ist Teamarbeit
Einwandfrei funktionierendes Tauchequipment ist überlebenswichtig. Sorgfältig kontrolliert einer der Teilnehmer einen Sauerstoffzylinder und die Schläuche. Auch unter der dicken Eisschicht erreicht die Wassertemperatur keine fünf Grad Celsius. Untrainiert und ohne die richtige Schutzkleidung können schon nach wenigen Minuten unkontrollierbares Kältezittern, Atemnot und Kreislaufprobleme auftreten.
Abtauchen und Eisbohren
Bei den gut ausgestatteten Forschern dauert ein Tauchgang hingegen rund 45 Minuten. Geübt wird beispielsweise das "Eisbohren", dabei muss ein Bohrkern aus der dicken Eisschicht des Sees extrahiert werden. Ein Licht an der Öffnung der Eisdecke hilft den Tauchern, sich zu orientieren, und eine gelbe Schleppleine führt sie bei schlechter Sicht sicher zurück zum Ausstieg.
Base Alpha
Die Tauchstation "Base Alpha" mit ihren zwei quadratischen Öffnungen im Eis für Tauchgänge ist spartanisch ausgestattet - und doch komfortabel im Vergleich zu einer echten Polarexpedition. Die Taucher trainieren hier, um unter kritischen Bedingungen in der Arktis selbstbewusst handeln zu können - wenn etwa der Luxus warmer Gebäude und Duschen in weiter Ferne ist, erklärt Koordinator Erik Wurz.
Arktisches Meereis schrumpft rapide
"In den Polarregionen gibt es noch Antworten auf viele offene Fragen, und der Zugang dorthin ist sehr eingeschränkt", sagt Wurz. Doch die Zeit drängt: Jüngsten US-Forschungsdaten zufolge fiel das arktische Meereis in diesem Winter kleiner aus als jemals zuvor seit Beginn der Messaufzeichnungen. Verschwindet das Meereis, sind auch die in ihm gespeicherten Informationen für immer verloren.
Eine anspruchsvolle Aufgabe
Trotz der anspruchsvollen Aufgaben sind die Taucher von ihren Erlebnissen unter Wasser überwältigt. Eine Teilnehmerin schwärmte davon, wie die Sonne durch Schnee und Eis drang und Strahlen im Wasser erzeugte. Ihr Teamkollege stimmt zu: "Es ist, als würde man eintauchen in eine fremde Welt; eine Welt, die ich gerne erforschen würde."