Gesundheitsschäden durch Plastik könnten sich verdoppeln
27. Januar 2026
Plastik wird so gut wie überall genutzt: für Verpackungen, Möbel oder Kleidung, aber auch als Baustoff, für Medizinprodukte und Autoreifen. Doch auch die Auswirkungen unseres Plastikverbrauchs sind mittlerweile überall zu spüren.
So landet Plastikmüll oft in der Natur, gelangt dann in unsere Böden oder die Ozeane. Dort stört es die Ökosysteme. Und es zersetzt sich überall zu kleinsten Teilchen, dem sogenannten Mikro- und Nanoplastik. Mittlerweile findet man Mikroplastik nicht nur in der Luft, im Boden, in der Tiefsee oder im Eis der Arktis, sondern auch in lebenden Organismen. Auch im menschlichen Körper wurde Mikroplastik nachgewiesen: unter anderem im Blut, in der Lunge, im Gehirn und selbst im ersten Stuhlgang von Neugeborenen.
Der weltweite Plastikverbrauch steigt rasant
Nun haben sich Forschende auch die Emissionen angesehen, die der gesamte Lebenszyklus von Plastikprodukten freisetzt – also ab der Förderung von Erdöl und Erdgas, aus denen Kunststoffe hergestellt werden, über die Produktion selbst, aber auch den Transport, das Recycling und die Entsorgung von Kunststoffen.
Denn bei all diesen Schritten entstehen unter anderem Treibhausgase, Feinstaub und schädliche Chemikalien, die die menschliche Gesundheit beeinträchtigen – entweder direkt oder auch indirekt durch die Folgen der steigenden Erderwärmung.
Da sich der globale Plastikverbrauch laut einer Prognose der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) bis zum Jahr 2060 fast verdreifachen könnte, nehmen auch die negativen Auswirkungen zu.
Eine neue Studie, die jetzt im Fachmagazin "The Lancet Planetary Health" erschienen ist, vergleicht diese Auswirkungen in sechs verschiedenen Szenarien – je nachdem, wie die Menschheit in Zukunft mit Plastik umgeht. Die Autorinnen und Autoren blicken in jedem der Szenarien auf die Situation im Jahr 2040 .
Wie viele Lebensjahre Plastik die Menschheit kostet
Für ihre Berechnungen nutzten sie dafür die Maßeinheit "Disability-Adjusted Life Years" (DALYs). Ein DALY ist ein verlorenes gesundes Lebensjahr, das entweder durch Tod verloren geht oder durch Krankheit eingeschränkt ist.
Dann errechneten sie zum einen, welche Menge an Plastik laut Prognosen jeweils pro Jahr vorhanden sein wird. Zum anderen rechneten sie hoch, wie viele Lebensjahre der Menschheit je nach der existierenden Plastikmenge im Jahr 2040 mutmaßlich verloren gehen werden.
Die Prognosen zeigen also, wie viele gesundheitsschädliche Emissionen die jeweils vorhandene Menge an Plastik mit sich bringt.
Zu diesem Emissionen zählen etwa Luftverschmutzung durch Feinstaub, der unter anderem beim Transport von Kunststoffprodukten entsteht. Ebenso aber auch die CO2-Emissionen, die bei der Förderung von Erdöl und Erdgas oder bei der Plastikproduktion entstehen. Des Weitern zählt auch der Austritt von giftigen Chemikalien aus Plastik dazu, der etwa bei der Produktion oder aus Plastikmüll entsteht.
Das Forschungsteam betrachtete in seiner Studie das Jahr 2016 als Ausgangspunkt. In dem Jahr gingen der Menschheit durch die weltweit bestehende Menge an Plastik rund 2,1 Millionen Lebensjahre verloren.
Für ihr erstes Szenario gingen die Forschenden davon aus, dass bis 2040 alles auf dem aktuellen Stand bleibt. Also dass wir also weiterhin jährlich genausoviel neues Plastik produzieren wie derzeit, dieselbe Menge an Plastik recyceln und dass genauso viel Plastikmüll in die Umwelt gelangt.
In diesem Fall würde sich die Menge an verlorenen Lebensjahren im Vergleich zu 2016 mehr als verdoppeln: Im Jahr 2040 gäbe es 4,5 Millionen verlorene Lebensjahre, also sogenannte DALYs.
Im optimistischsten Szenario, in dem weniger Plastik genutzt und mehr recycelt wird und ein besseres Abfallmanagement existiert als heute, würden der Menschheit im Jahr 2040 hingegen nur 2,6 Millionen Lebensjahre verloren gehen – das sind immer noch eine halbe Million mehr als im Jahr 2016.
Plastik: eine der Hauptquellen der Luftverschmutzung
"Die geschätzten über vier Millionen verlorenen gesunden Lebensjahre im Jahr 2040 entsprechen etwa fünf Stunden verlorener voller Gesundheit für jeden Menschen auf der Erde", rechnet Walter Leal von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg für das "Alles-bleibt-wie-es-ist-Szenario" vor. Der Wissenschaftler war nicht an der Studie beteiligt.
In seinem gesamten Lebenszyklus trage Plastik mit etwa 4,5 Prozent zu den menschengemachten Treibhausgasemissionen bei, so Leal.
Das sind zwar weniger an Treibhausgasen, als sie die bei der Energieerzeugung oder der Landwirtschaft entstünden. Auch liege die Gesundheitsbelastung durch Plastik unter der durch die die allgemeine Luftverschmutzung.
Dennoch: Plastik ist "eine Hauptquelle für luftverschmutzende Partikel", so Leal. Und angesichts des Wachstums der globalen Plastikmenge sollte politisch rasch gehandelt werden.
Emissionen durch Plastik: "nur die Spitze des Eisbergs" an Gesundheitsgefahren
Die Autorinnen und Autoren betonen, dass sie nicht einmal alle möglichen Gesundheitsfolgen durch Plastik in der Studie einrechnen konnten, weil entsprechende Daten dazu fehlen. So konnten die negative Folgen von Mikro- und Nanoplastik auf die menschliche Gesundheit nicht eingeschlossen werden. Aus dem selben Grund konnten auch die möglichen Folgen nicht berechnet werden, die Chemikalien bei der Nutzung von Plastikgegenständen haben könnten.
Daher seien die in der Studie geschätzten negativen Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit zweifellos nur die Spitze des Eisbergs, sagt Studien-Mitautorin Megan Deeney der DW. "Wir haben genügend Beweise, um zu wissen, dass wir dringend handeln müssen. Die Kunststoffproduktion steigt trotz der bestehenden Beweise für die Schäden weiterhin rasant an, und die Kunststoffverschmutzung nimmt weltweit rapide zu."
Und das, obwohl bekannt sei, dass die Plastikverschmutzung eng mit umfassenderen planetaren und menschlichen Gesundheitsproblemen verknüpft ist. Andere Studien hätten bereits gezeigt, wie sehr Plastik die Gefahren und Herausforderungen an allen planetaren Grenzen verschärfe, so Deeney.
Warum weniger Plastik produziert werden sollte – und das nicht passiert
Die in der Studie beschriebenen Gesundheitsgefahren durch Plastik ließen sich am effektivsten mindern, wenn weniger Neuplastik produziert würde, betont das Forschungsteam gemeinsam – allerdings sollte Plastik dabei nicht einfach nur durch andere Materialien ersetzt werden.
Stattdessen müsse man generell weniger Material verbrauchen, sagt Studienautorin Deeney, etwa unnötige Kunststoffprodukte nicht mehr herstellen und stattdessen auf Mehrwegsysteme umsteigen. Es sollten möglichst nur solche Kunststoffprodukte verwendet werden, "für die es keine Alternative gibt" und gleichzeitig sollte man "bedenkliche Chemikalien aus allen Materialien verbannen."
Im Idealfall, so Deeney, würden diese Maßnahmen und der Informationsaustausch "international durch ein starkes, rechtsverbindliches globales Plastikabkommen harmonisiert, das den gesamten Lebenszyklus von Kunststoffen und den darin enthaltenen bedenklichen Chemikalien abdeckt."
Ein solches internationales Plastikabkommen ist jedoch erst im vergangenen Jahr gescheitert.
Zwar waren sich auf dem UN-Plastikgipfel in Genf 2025 alle Teilnehmerstaaten einig, dass man etwas gegen die riesige Menge an Plastikmüll tun müsse. Doch die großen Erdöl produzierenden Länder blockierten ein Abkommen, das auch die Produktion von neuem Plastik reduziert hätte.