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Epstein-Affäre: Prinz William und Kate "zutiefst besorgt"

9. Februar 2026

Der Skandal um den US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein erschüttert in Großbritannien sowohl die Regierung als auch das Königshaus. Gegen den früheren Prinzen Andrew werden neue Vorwürfe laut.

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Vereinigtes Königreich | Prinz William und Kate
Zeigen sich bestürzt: Prinz William und Kate (Archivfoto)Bild: Samir Hussein/empics/picture alliance

Nach neuen Enthüllungen im Missbrauchsskandal um den US-Finanzinvestor Jeffrey Epstein haben der britische Thronfolger Prinz William und seine Frau Kate Stellung bezogen: Das Paar sei über die jüngsten Veröffentlichungen aus den Epstein-Akten "zutiefst besorgt", teilte ein Sprecher des Königshauses mit. Ihre Gedanken seien bei den Opfern.

Es ist die bisher deutlichste Reaktion aus dem engsten Kreis der Königsfamilie auf die Dokumente, die auch Williams Onkel ⁠Andrew Mountbatten-Windsor (früher: Prinz Andrew) schwer belasten. Dass sich Royals zu solchen Vorgängen äußern, gilt als ungewöhnlich.

Schwerer Schlag für Starmer

Die ‍Erschütterungen durch die neuen Akten haben inzwischen eine Regierungskrise in London ausgelöst. An diesem Montag trat Tim Allan zurück, der Kommunikationsdirektor von Premierminister Keir Starmer. Er wolle den Weg für ein neues Team in der Downing Street freimachen, erklärte Allan. Der ehemalige Berater ⁠des früheren Premiers Tony Blair hatte den Posten als Kommunikationsdirektor erst im September 2025 übernommen.

Am Sonntag hatte bereits Starmers wichtigster Berater Morgan McSweeney seinen Hut genommen. Hintergrund ist die interne Unterstützung für Peter Mandelson, den Starmer trotz dessen bekannter Verbindungen zu ⁠Epstein zum Botschafter in den USA ernannt hatte.

USA Washington D.C. 2025 | Donald Trump und Peter Mandelson
Peter Mandelson (r.) als britischer Botschafter im Büro von US-Präsident Donald Trump (2025)Bild: Evan Vucci/AP Photo/dpa/picture alliance

Der Verlust zweier hochrangiger Mitarbeiter ‌kurz hintereinander gilt als schwerer Schlag für Starmer, der versucht, einen Schlussstrich unter die Affäre zu ziehen. Mandelson wurde mittlerweile aus Washington abberufen.

Den Akten zufolge soll Mandelson in den Jahren 2009 und 2010 ‍sensible Regierungsunterlagen mit Epstein geteilt haben. Gegen den früheren EU-Handelskommissar laufen polizeiliche Ermittlungen wegen des Verdachts auf Fehlverhalten im ​öffentlichen Amt.

E-Mails belasten Andrew 

Auch Andrew soll im Jahr 2010 vertrauliche Dokumente an Epstein weitergeleitet haben, wie jetzt bekannt wurde. Dabei handelte es sich offenbar um Berichte über Hongkong, Vietnam und Singapur, die Andrew in seiner damaligen Funktion als Handelsbeauftragter der britischen Regierung erhielt.

Zu diesem Zeitpunkt war Epstein bereits wegen Sexualstraftaten an Minderjährigen verurteilt. E-Mails, die noch Anfang 2011 versendet wurden, untergraben zudem Andrews Behauptung, den Kontakt zu Epstein zuvor abgebrochen zu haben.

Großbritannien 2026 | Zeitungsschlagzeile über Andrew Mountbatten-Windsor
"Epstein-Bombe": Zeitungsschlagzeile über Andrew Mountbatten-WindsorBild: Geoffrey Swaine/Avalon/Photoshot/picture alliance

Der US-Multimillionär hatte über Jahre hinweg einen Ring zur sexuellen Ausbeutung Minderjähriger unterhalten und weltweit Kontakte zu hochrangigen Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Adel gepflegt. Im Juli 2019 wurde Epstein festgenommen, einen Monat später wurde er tot in einer New Yorker Gefängniszelle aufgefunden. Nach offizieller Darstellung beging er Suizid.

Um den Fall ranken sich zahlreiche Theorien. Dazu gehören Spekulationen, Epstein habe im Auftrag russischer Geheimdienste kompromittierendes Material über einflussreiche Personen gesammelt, um diese erpressbar zu machen.

Andrew hatte 2022 eine Zivilklage von Virginia Giuffre, die ihm sexuellen Missbrauch vorgeworfen hatte, mit einem Vergleich beigelegt. Giuffre beging im April Suizid. Andrew hat ein Fehlverhalten stets bestritten, ​zu den jüngsten Vorwürfen schweigt er bislang.

Affäre sorgt für weitere Rücktritte

Die Enthüllungen um Epstein ziehen währenddessen ⁠immer weitere Kreise. Am Wochenende trat die norwegische ​Top-Diplomatin Mona Juul wegen ihrer Verbindungen zu Epstein von ihrem Posten zurück. Kronprinzessin Mette-Marit entschuldigte sich erneut für ihre früheren Kontakte zu dem Multimillionär.

In Frankreich gab der frühere Kulturminister Jack Lang - ebenfalls wegen Epstein-Kontakten - sein ‌Amt als Präsident des Instituts der arabischen Welt (IMA) auf. "Er hat eine verantwortungsvolle Entscheidung getroffen", sagte Staatspräsident Emmanuel Macron. Zugleich warnte er davor, dass der Fall "Verschwörungstheorien befeuert".

Dokumente über Jeffrey Epstein
Vom US-Justizministerium veröffentlichte Dokumente über Jeffrey EpsteinBild: Vladislav Nekrasov/SOPA Images/ZUMA/picture alliance

Deutschlands Regierung beobachtet die Entwicklungen nach eigenen Angaben "aufmerksam". Regierungssprecher Stefan Kornelius sagte in Berlin: "Wir sehen, was in anderen Ländern ans Tageslicht kommt beziehungsweise wie es dort politische Auswirkungen hat." Die Bundesregierung sei allerdings "keine Ermittlungsbehörde" und sehe deshalb auch keinen Anlass für eine systematische Auswertung der Epstein-Akten. Ihm sei nichts darüber bekannt, dass der Fall auch für Deutschland strafrechtlich relevant sein könnte, so Kornelius.

wa/haz (rtr, dpa, afp)

Die Deutsche Welle berichtet zurückhaltend über das Thema Suizid, da es Hinweise darauf gibt, dass manche Formen der Berichterstattung zu Nachahmungsreaktionen führen können. Sollten Sie selbst Selbstmordgedanken hegen oder in einer emotionalen Notlage stecken, zögern Sie nicht, Hilfe zu suchen. Infos zu Hilfsangeboten in Ihrem Land gibt es auf der Internetseite www.befrienders.org. In Deutschland hilft Ihnen die Telefonseelsorge unter den kostenfreien Telefonnummern 0800/111 0 111 und 0800/111 0 222.

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